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{
"title": "Dreißig Namen für den Weg der Freiheit",
"cronica": "An jenem Sonntag brachen Michel Salas, Jiliam Pomare und Salomé Piza früh von der Casa del Paraíso auf — einen botanischen Feldführer unterm Arm und die feste Absicht, das zu benennen, was der Trockenwald des Schutzgebiets seit Jahren im Stillen anbietet. Ihr Weg folgte dem „camino de la libertad", jenem Pfad, der genau dort endet, wo die Volieren von Ara auf den Moment warten, in dem die Aras in die Freiheit entlassen werden — ein Finale, das jedem Spaziergang durch diese Gegend ein besonderes Gewicht verleiht.\n\nUnterwegs hielten sie ungefähr dreißig Mal inne: um einen Ast mit seiner Beschreibung im Buch zu vergleichen, um eine Pflanze zwischen Papierlagen zu pressen, um Blüten zu fotografieren, bevor die Mittagssonne sie welken ließ. Da war die *Caesalpinia pulcherrima* mit ihren langen Staubfäden, die wie Fäden aus gelbem Feuer wirkten; die Moringa mit ihren weißen Blüten, sorgfältig neben ihrer Beschreibung im Feldführer aufgeschlagen; der Uvito (*Cordia alba*), frisch gepflückt und noch lebendig; und der Ébano (*Caesalpinia ebano*) mit seinen dunklen Hülsen, die zwischen dem Blattwerk herabhingen.\n\nAm Ende des Pfades, vor den Volieren, lächelten die drei in die Kamera. Hinter ihnen die grünen Hügel und die farbenfrohen Blüten, die den ganzen Weg gesäumt hatten. In den Händen: dreißig neue Namen — oder besser gesagt, dreißig alte Namen, die der Wald schon immer getragen hatte und die sie sich nun zur Aufgabe gemacht hatten, aufzuschreiben."
}
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Der junge Ébano, der schon blüht
Im dichten Grün der Reserva blieb Michel Salas vor einem Baum stehen, der kaum vier Meter maß und dennoch wirkte, als bräuchte er nicht mehr zu wachsen: ein Ébano, Caesalpinia ebano, mit leuchtend gelben Blüten unter der Märzsonne und noch zarten, grünen Schoten, die von den Ästen hingen. Der Baum ist noch jung — die Art kann beträchtlich größer werden —, doch erfüllt er seinen Teil im Kreislauf bereits mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit.
Der Ébano ist eine in der Karibikregion heimische Art, trockenheitstolerant und von einer Vielseitigkeit der Nutzung, die erstaunen lässt: Sein Laub ernährt das Vieh, seine Blüten rufen die Bienen herbei, sein Holz hält stand, was auch immer auf es einwirkt. In der Fundación führen wir ihn auch unter dem Volksnamen Guacamayo — wobei anzumerken ist, dass dieser Beiname in Villanueva, Bolívar, nicht gebräuchlich ist —, denn dem Baum mangelt es an Namen ebenso wenig wie an Nutzen. Michel nahm sechs Fotografien auf, die die Einzelheiten der Blüten, der Schoten und den vollständigen Wuchs des Individuums festhalten, mit der tropischen Vegetation im Hintergrund als stilles Zeugnis. Ein schöner Fund für das Inventar der Reserva.
Eine einsame Ara im Carambolo-Baum
Michel Salas streifte durch das Schutzgebiet, als er sie entdeckte: eine blau-gelbe Ara, die auf den Ästen eines Carambolo-Baums saß, der gerade in kleinen rosa und rötlichen Blüten erblühte — eingebettet in ein sattes, tiefes Grün. Ein einzelnes Tier war es — eine Ara ararauna — und die Anwesenheit des Beobachters schien sie kaum zu berühren. Da saß sie, neugierig, und spielte mit dem Blattwerk, so wie es nur dieser geschwungene, schwarze Schnabel kann, der aussieht, als wäre er für den Spaß ebenso gemacht wie zum Fressen.
Der Baum trug noch junge Früchte, grün und klein, und die Ara erkundete sie ohne jede Eile — wie jemand, der eine vertraute Vorratskammer durchstöbert. Hinter ihr rahmten ein Bananenstrauch und der klare, blaue Mittagshimmel der karibischen Küste die Szene ein. Michel hielt den Augenblick in Fotos und Videos fest, aufgenommen an den Koordinaten des Schutzgebiets, im Nordosten der Reserve.
Der Carambolo — in der Region schlicht so genannt, obwohl er zur Familie der Oxalidaceae gehört — ist einer jener Bäume, die sich ihren Platz im Leben des Schutzgebiets längst verdient haben. Dass eine Ara ararauna ihn ausgerechnet in voller Blüte aufsucht, sagt etwas darüber aus, wie diese Orte Schritt für Schritt, Ast für Ast, zu einem eigenen Leben erwachen.
Zwei Pflanzen, vierundzwanzig Meter, ein Inventar
Michel Salas brach an jenem Sonntag mit einem klaren Vorhaben auf: aufzuschreiben, was blüht. In einem Winkel des Santuario, wo die Bananenstauden ihre Blätter wie Zeltdächer ausbreiten und die Erde dunkel und feucht bleibt, stieß er zuerst auf eine Mussaenda in voller Pracht — blasspink und cremefarbene Brakteen umrahmten kleine grünliche Blüten, leuchtend im dichten Grün, als hätte die Pflanze wochenlang darauf gewartet, dass jemand sie mit echter Aufmerksamkeit betrachtet.
Vierundzwanzig Meter weiter, am zweiten Punkt der Runde, war der Fund ein anderer: eine wilde Pflanze mit rötlichen Stängeln und hängenden, weißlich-grünen Ähren — vermutlich ein Amaranthus —, deren Blätter von Insekten durchlöchert waren, die schon vor Michel hier vorbeigekommen waren. Auch diese Herbivorie — diese kleinen grünen Löcher — ist Datenmaterial, auch sie gehört ins Inventar.
Zwei georeferenzierte Punkte, zwei Arten, zwei verschiedene Geschichten davon, wie das Leben im selben Abschnitt des Santuario wächst. So schreitet die botanische Erfassung der Fundación Loros voran: Schritt für Schritt, Pflanze für Pflanze, mit jemandem, der bereit ist, innezuhalten und hinzuschauen.
Crucetillo in Blüte vor dem Haus
Vor dem Haus des Schutzgebiets, zwischen trockenem Rasen und dem Schatten einer leuchtend rosafarbenen Bougainvillea, blieb Michel Salas vor einem Strauch stehen, den ein eiliger Blick leicht übersehen hätte. Es war ein Crucetillo — Randia aculeata — mit seinen dornigen Zweigen und den kleinen, tiefgrünen Blättern, und an jenem Nachmittag des 22. März trug er Blüten: röhrenförmig, hängend, von einem kaum geöffneten Gelbgrün, als hätten sie noch nicht ganz entschieden, ob es schon Zeit sei, sich zu zeigen.
Michel hielt den Fund in drei Fotografien fest, die den Wuchs des Strauchs, sein tropisches Gartenumfeld und diese sich entfaltenden Blüten einfangen. Im Hintergrund ein Papayabaum, daneben Sträucher mit rosa und orangefarbenen Blüten — zusammen bildeten sie eine Szene, die daran erinnert, dass selbst der vertrauteste Garten des Schutzgebiets seine eigenen botanischen Geschichten birgt.
Der Crucetillo aus der Familie der Rubiaceae ist eine im kolumbianischen Karibikraum heimische Pflanze, bekannt für ihre Früchte, die vielen Vögeln als Nahrung dienen. Dass er ausgerechnet am Eingang des Hauses blüht, ist keine Kleinigkeit: Es ist ein Zeichen dafür, dass der pflanzliche Kalender seinen Lauf nimmt — still und pünktlich — auf den 520 Hektar von Loros.
Michel und das lodernde Gelb
Zwischen den Koordinaten, die das Santuario hütet, wächst eine Pflanze, die diesen Sonntag nicht unbemerkt bleiben wollte. Michel Salas fand sie in voller Blüte — eine Caesalpinia aus der Familie der Fabaceae — mit jenem lodernden Gelb, das aussieht, als wäre es einem karibischen Morgenrot gestohlen worden. Die fadenförmigen Staubblätter öffneten sich wie kleine, lautlose Feuerwerke, und zwischen den Ästen hingen bereits längliche Hülsen, manche noch grün, andere schon dunkel — ein Zeichen dafür, dass das Leben in dieser Pflanze keine Zeit verliert.
Der Baum wächst inmitten großzügiger Gesellschaft: Platanos, die ihn beschatten, rosafarbene und orangefarbene Buganvilias, die ihm im Farbenspiel Konkurrenz machen, und ein teils bewölkter Himmel, der sich am 22. März nicht entscheiden konnte zwischen Regen und Stille. Die vier Fotografien, die Michel an jenem Tag aufnahm, hielten geöffnete Blüten, heranreifende Knospen und die Gesamtgestalt des Exemplars fest — ein vollständiges Porträt einer Pflanze, die nun einen Namen hat, Koordinaten und ihren Platz in der Bitácora des Santuarios.
Zwei Bäume, zwei Nistkästen, kein Bewohner
Michel Salas durchstreifte gestern einen Streifen tropischer Vegetation in der Fundación Loros, den Blick nicht auf den Boden, sondern in die Baumkronen gerichtet. Der erste Baum, den er fand, war ein Mamón — Melicoccus bijugatus —, hoch und üppig belaubt, mit einem weißen Band um den Stamm, das Kletterer auf Abstand halten soll. Der Nistkasten hing bereits zwischen seinen Ästen, obwohl der Baum an jenem Tag ohne Früchte dastand: Seine Saison ist noch nicht gekommen.
Wenige Meter weiter wartete ein anderer Baum mit mehr Großzügigkeit. Der Mamey — Manilkara zapota, aus der Familie der Sapotaceae — trug seine reifen Früchte mit rauer Schale und rotbrauner Farbe, die schwer im dichten Laub hingen. Am Stamm dienten Metallplatten als Schutzschild gegen jedes Tier, das dort hinaufzuklettern gedachte. Auch dieser Baum hatte seinen Nistkasten — ebenfalls schon früher angebracht, ebenfalls leer.
Zwei vorbereitete Stationen, zwei offene Türen. An jenem Sonntag war niemand darin, aber die Kästen hängen noch immer dort, zwischen den Ästen hervorlugend unter einem bewölkten Märzhimmel, und warten auf den Bewohner, der noch nicht gekommen ist.
Ein einsamer Loro im Ficus
Zwischen dem glänzenden Blattwerk eines Ficus, wo der milchige Saft aus der Rinde sickerte wie Schweiß auf der Haut eines Baumes im Märzhitze, entdeckte Michel Salas einen loro de ala naranja, der mit der Gelassenheit eines Wesens dasaß, das den ganzen Morgen an derselben Stelle verbracht hatte. Der Vogel war allein. Das tiefe Grün seines Körpers, der gelbe Kopf, und jener in Orange, Rot und Gelb entflammte Schwanz, der wirkt, als wäre er eigens dazu erschaffen worden, der Eintönigkeit des Waldes zu widersprechen.
Der Amazona amazonica ließ sich nicht stören. Er duldete es, zwischen den Ästen des Ficus — Familie Moraceae, einer jener großzügigen Bäume, die Frucht und Schatten in gleichem Maße verschenken — fotografiert zu werden, während das milchige Exsudat des Stammes die Luft mit seinem unverkennbaren Geruch durchzog. Kein weiteres Individuum war in der Nähe. Nur dieser Loro, dieser Baum, und Michel mit dem Auge am Objektiv.
Die blühende Dormilona im trockenen Blattwerk
Am Nachmittag des 22. März fanden Michel Salas und Salomé Piza auf dem Gelände der Fundación Loros etwas, das man zwischen dem Laub leicht übersehen kann: eine blühende Dormilona. Die Pflanze, *Mimosa pudica*, wuchs auf trockenem Boden, bedeckt von gefallenen Blättern, ihre zarten Äste gespickt mit kaum geöffneten grünen Knospen — und eine einzige Blüte bereits entfaltet, die ihre weißen Fäden mit einem Hauch von Gelb zeigte. Unauffällig und präzise, so wie die Dinge zu sein pflegen, die am meisten der Betrachtung wert sind.
Die Dormilona gehört zu jenen Pflanzen, die fast jeder als Kind berührt hat, nur um zu sehen, wie sie sich zusammenzieht — doch selten hält man wirklich inne, um sie in Ruhe zu betrachten. Sie gehört zur Familie der Fabaceae, Unterfamilie Mimosoideae, und ihre Blüte in diesem Übergangslebensraum am Ende der Trockenzeit verrät etwas über den Zustand des Bodens und die Jahreszeit. Michel und Salomé fotografierten sie und hielten den Fund mit genauen Koordinaten fest: 10,4473°N, 75,2620°W. Ein kleiner Fund der Größe nach — aber von untrüglicher Genauigkeit in dem, was er erzählt.
Senna in Blüte und das Herz der Banane
Michel Salas streifte diesen Nachmittag durch das Gelände des Santuario, die Augen weit geöffnet, die Kamera stets in Bereitschaft. Unter den Entdeckungen des Streifzugs fand er ein kleines Landstück, wo mehrere Bananenpflanzen — Musa sp. — ihre schweren, grünen Büschel hängen lassen und ihre Blütenstände in sattem Purpur zeigen, jene Infloreszenzen, die aussehen wie ein frisch geborenes Herz. Im Hintergrund recken Mangobäume ihre Früchte durch das Blattwerk, und ein kleines Backsteingebäude mit Wellblechdach verleiht dem Ort den Charme einer karibischen Finca von jeher.
Doch die andere Entdeckung des Tages war stiller und vielleicht noch eindrucksvoller für jene, die zu sehen verstehen: eine Pflanze der Gattung Senna — Familie Fabaceae, Unterfamilie Caesalpinioideae — mitten im dichten Waldgestrüpp in voller Blüte. Michel hielt sie behutsam zwischen den Fingern, um sie besser ins Licht zu rücken, und auf dem Foto sieht man die aufgegangenen gelben Blüten neben mehreren Knospen, die noch auf ihre Stunde warten. Dieses klare Gelb vor dem tiefen Grün des Waldes gehört zu den Farben, die das Santuario zu verschenken weiß — leise und ohne Vorankündigung.
Zwei Coquillos auf trockener Erde
Jillian Pomare kam an jenem Sonntag mit zwei Pflanzen in der Hand, Wurzeln und alles. Sie legte sie auf den sandigen, verdichteten Boden, wo Fußabdrücke das Kommen und Gehen der Feldarbeit erzählten. Es waren zwei Exemplare von Cyperus sp. — das, was wir in diesen Landen als Coquillo oder Junco kennen — mit ihren unverwechselbaren dreieckigen Stängeln und ihren geöffneten Blütenständen wie kleine Federwedel: eines noch gelblich-grün, das andere bereits trocken und golden, als wäre die Zeit zwischen beiden im Abstand von wenigen Zentimetern vergangen.
Der Befund war schlicht: zwei entwurzelte Pflanzen, auf dürre Erde gelegt, ohne weitere Begleitung als ein trockenes Blatt, das daneben gefallen war. Keine Tiere, keine Menschen weit und breit. Nur diese stille Geste, etwas aus dem Boden zu holen und es aus der Nähe zu betrachten — was oft der erste Schritt ist, um zu verstehen, was hier wächst und was verdrängt wird in den offenen Geländen des Reservats. Der Coquillo ist ein zähes Unkraut in landwirtschaftlichen Zonen, und sein Auftreten hier verdient Aufmerksamkeit.
Der Mamón, der schweigend Epiphyten trägt
Im Sekundärwald der Fundación Loros, wo die trockene Erde unter Teppichen gefallener Blätter ruht und die abgesägten Stämme von älteren Geschichten erzählen, blieb Michel Salas vor einem Baum stehen, der sich nicht ankündigen musste. Es war ein Mamón — Melicoccus bijugatus, aus der Familie der Sapindaceae — mit einem grauen, kräftigen Stamm, der sich nach oben in Äste teilte, die eine großzügige Krone gegen den bewölkten Himmel weben. Auf der Rinde, fast wie stille Untermieter, wachsen epiphytische Pflanzen — vielleicht Bromelien, vielleicht Farne — die sich eingerichtet haben, ohne um Erlaubnis zu fragen.
An jenem Sonntag verzeichnete Michel keine Fauna, die den Baum aufsuchte — keine Loros, keine Vögel, nichts, das sich zwischen seinen Ästen regte. Doch der Mamón stand dort, unerschütterlich auf den Koordinaten 10.4473, -75.2618, seine oberflächlichen Wurzeln über die Erde ausgebreitet wie ruhende Finger. Manchmal braucht ein Baum keine Zeugen, um zu zählen; es genügt, dass jemand ihn findet und sagt: Hier ist er, er existiert, wir haben ihn gesehen.
Zwei Farben, gepflanzt am Rand des Wassers
In einem verborgenen Winkel des Santuarios, wo der Erdpfad sich im tropischen Grün verliert, stieß Michel Salas auf etwas, das nicht ganz wild war: zwei Buganvilias, gepflanzt, still und in voller Blüte leuchtend. Die erste, mit fuchsiapinken Brakteen, wächst am Ufer eines Teichs mit grünlichem Wasser — so auffällig, dass sie wie ein Feuer gegen den karibischen Blauhimmel zu brennen scheint. Die zweite, cremeweiß, schaut bescheidener zwischen den schlanken Stämmen eines schattigen Weges hervor, als zöge sie die Stille vor.
Was Michel fotografierte, sind keine Blüten im eigentlichen Sinne: Es sind Brakteen, umgewandelte Blätter voller Anthocyane — dieselben Pigmente, die Brombeeren und Auberginen ihre Farbe verleihen. Im Zentrum jeder Brakteengruppe, beinahe versteckt, blühen kleine, röhrenförmige, weißlich-gelbe Blüten. Die Farbe, die man sieht — dieses Fuchsia, das einen innehalten lässt — hängt vom Licht ab, vom pH-Wert des Bodens und von der Gesundheit der Pflanze.
Beide sind in Kolumbien eingeführte Arten, vom Menschen kultiviert aus *Bougainvillea glabra* und *Bougainvillea spectabilis*, ursprünglich aus Südamerika stammend, aber fremd in diesen Böden der kolumbianischen Karibik. Jemand hat sie hergebracht, jemand hat sie gepflanzt — und hier stehen sie noch immer, wohnhaft im Santuario mit einer Schönheit, die keine Erlaubnis bat, um zu bleiben.
Der Limoncillo, an dessen Pflanzung sich niemand erinnert
Michel Salas streifte durch das Schutzgebiet, als er ihn entdeckte: einen Zitronenbaum (*Citrus × aurantiifolia*), den irgendwann, an einem Tag, den niemand mehr benennen kann, jemand in die Erde gesetzt hatte. Er steht an den Koordinaten 10.4475, -75.2618, inmitten des Geländes des Santuario de la Fundación Loros, umgeben von üppiger tropischer Vegetation und rosafarbenen und roten Buganvilias, die sich aus dem Hintergrund hervorwagen, als hätten sie dem blauen Himmel dieses Märznachmittags etwas zu sagen.
Kein Pflanzdatum. Kein Name dessen, der ihn hierher brachte. Nur der Baum — still und verwurzelt, seine glänzenden Blätter das Nachmittagslicht durchsiebend, gleichgültig gegenüber dem Geheimnis seiner eigenen Herkunft. Es liegt etwas Rührendes darin: dass jemand, irgendwann, beschlossen hat, einen Limoncillo in diesen stillen Winkel des Schutzgebietes zu pflanzen — und dass der Baum weiterwuchs, ohne dass ihn jemand dafür im Gedächtnis behalten musste.
Hiermit ist er verzeichnet. Wer weiß, wer ihn gepflanzt hat und wann, dem steht in diesem Logbuch Platz für jene Geschichte offen.
Fremdes Rot im eigenen Blattwerk
Michel Salas durchstreifte das Gelände, als ihm etwas ins Auge fiel, das nicht ganz dazugehörte: ein Hibiskusstrauch in voller Blüte, seine rosaroten Doppelblüten öffneten sich dem Nachmittagslicht entgegen. Auffällig, zweifellos. Doch der *Hibiscus rosa-sinensis* ist nicht von hier — er kam, wie so viele Zierpflanzen, weil jemand irgendwann einen Garten verschönern wollte.
Die Palmen im Hintergrund und der klare Himmel vervollständigten ein tropisches Bild, beinahe wie eine Postkarte. Nur dass solche Postkarten in der Fundación Loros ihre Schattierungen haben: Was glänzt, gehört nicht immer hierher. Der Fund ist im Geländeinventar unter den Koordinaten 10.4474, -75.2618 vermerkt — eine Randnotiz darüber, was auf diesen 520 Hektar wächst: das Einheimische und das, was irgendwann hinzukam.
Die Nummer 2 und ihre zwölf Gefährten
Jahre lang trug der Guacamayo Nummer 2 ein Urteil mit sich, das unumstößlich schien: Er war zu zahm, um in Freiheit zu leben. Er war so nah an Menschen aufgewachsen, so sehr an ihre Gegenwart gewöhnt, dass viele bezweifelten, ob er jemals seinen Platz zwischen den Bäumen finden würde. Doch manchmal sorgen die Tiere selbst dafür, dass wir uns irren.
Am 21. März fand Alejandro Rigatuso ihn im Bereich der Ara-Volieren, nahe dem Cerro El Peligro — und was er sah, ließ keinen Raum für Zweifel: Nummer 2 flog eingebettet in einen Schwarm von etwa zwölf Guacamayos, als wäre es nie anders gewesen.
Seit Monaten sind sie in Freiheit. Er ist nicht mehr der zahme Guacamayo aus den Volieren — er ist einer von zwölf, in einem Schwarm, der sich gemeinsam bewegt und gemeinsam entscheidet. Manchmal ist Zahmheit kein Urteil, sondern schlicht der Ausgangspunkt.
Ceibas in der Trockenzeit, Weg zum Peligro
Mitten in der Trockenzeit, wenn der Wald seine Knochen zeigt, brach eine Gruppe von Schülern von La Manga in Richtung El Peligro auf, geführt von José Marín. Die Landschaft, die sie vorfanden, war der tropische Trockenwald in seiner unverstellten Wahrheit: vergilbtes Gras, staubige Büsche und Bäume, die ihr Laub abgeworfen hatten wie jemand, der sich einen Mantel auszieht. In dieser Kulisse scheinbarer Kargheit entdeckten sie drei Ceibas — jene grauhäutigen Riesen mit ihren fernsichtbaren Stacheln — sowie einen Orejero (Enterolobium cyclocarpum), der feierlich und aufrecht im lichten Bewuchs stand.
Der seltsamste Fund des Tages war eine geöffnete, trockene Frucht aus der Familie der Apocynaceae, entdeckt gleich zu Beginn des Weges. Die äußere Schale war graugrün, doch ihr Inneres barg eine Überraschung: einen Samen, bedeckt von rötlichen, weichen Fasern — als hätte der Baum inmitten all seiner Rauheit etwas Zartes versteckt. Jemand fotografierte ihn vor dem blauen Himmel, mit dem kahlen Buschland am Horizont, und das Bild wurde zum kleinen Porträt dessen, was der Trockenwald selbst an seinen dürsten Tagen zu bewahren vermag.
Der Tronador, die Kletterpflanze und die Frucht, die niemand benennt
Michel Salas brach an jenem Sonntag über die Erdwege des Reservats auf, die Kamera im Anschlag, die Augen weit offen. Am ersten Punkt, den er dokumentierte, empfing ihn die Vegetation mit einer stillen Fülle: Eine Kletterpflanze mit rotorangefarbenen Früchten, die in der Mitte aufgebrochen waren und ihre schwarzen Samen enthüllten, als würden sie für ihn posieren; höher oben hing eine andere Schlingpflanze mit rosa-lila Blüten zwischen dem grünen Laub, darüber das Blau des Mittags. Und über allem thronte der Tronador — jener großgewachsene Baum mit mächtigem Stamm, den die Menschen hier gut bei seinem Namen kennen, auch wenn die Wissenschaft sich mit ihnen noch nicht einigen konnte.
Etwa fünfhundert Meter weiter nach Osten änderte sich die Landschaft. Der Weg wurde trockener, sandiger, mit Sträuchern, die bereits das Gewicht der Dürre in sich trugen. Genau dort fand Michel die seltsamste Frucht des Tages: klein, grün, gerillt, in der genauen Form eines Kürbisses im Miniaturformat. Er legte sie in seine Handfläche, um sie sorgfältig zu fotografieren. Niemand im Team konnte ihm den Namen nennen. Manchmal bewahrt der Wald seine Geheimnisse eben so — ohne Eile, in der Gewissheit, dass jemand zurückkehren und erneut fragen wird.
Der Orejero, der Geschichte und Eichhörnchen trägt
Michel fand ihn aufrecht und einsam im trockenen Gestrüpp, den grauen Stamm wie ausgebreitete Arme gen Himmel geteilt: ein stattlicher orejero, Enterolobium cyclocarpum, dokumentiert in einem der trockensten Abschnitte des Santuarios. Was am meisten ins Auge fiel, war die Art, wie er zwei Zeiten auf einmal zu bewohnen schien — reife, schwarze, prall gefüllte Schoten, die neben weichen weißen Blütenköpfchen hingen, als wollte der Baum sich nicht entscheiden müssen zwischen dem, was war, und dem, was noch kommt.
Der orejero trägt Jahrhunderte des Gebrauchs in sich. Aus seinen Früchten wird der dulce de carito gekocht, jener Geschmack, den die Menschen an der kolumbianischen Karibikküste so gut kennen; dieselben Früchte helfen gegen Halsinfektionen. Stamm und Äste befeuern schwere Kohleöfen. Doch dann erwähnte Michel fast beiläufig, dass Ardillas den Baum regelmäßig aufsuchen, angelockt von seinen Samen und Schoten. So trägt der orejero seit Jahrzehnten in aller Stille Vorratskammer, Apotheke und Zuflucht in einem.
Er ist nun verzeichnet, an den genauen Koordinaten, wo Michel ihn fand, inmitten des tropisch-trockenen Matorrals der Reserva. Ein Baum, der offenbar nie jemanden gebraucht hat, um ihm zu erklären, wozu er gut ist.
Ein totumo voller Früchte, von niemand bezeugt
Unter einem märzblauen Himmel durchstreifte Michel die ländliche Gegend, als er ihm begegnete: einem mittelgroßen totumo, dessen Äste sich nach allen Seiten ausstreckten, beladen mit dunklen, runden Früchten in verschiedenen Reifestadien. Der Baum stand allein – kein Vogel, kein Säugetier weit und breit, das sich um diesen Überfluss gestritten hätte. Michel holte die Kamera heraus, nahm die Koordinaten auf und trug den Baum in die Karte der Nahrungsressourcen der Fundación ein.
Der totumo – *Crescentia cujete* – gehört zu jenen Bäumen, die man in der kolumbianischen Karibik für selbstverständlich hält: Seine Früchte sind in Hinterhöfen, auf Weideflächen und an Wegrändern seit jeher ein vertrauter Anblick. Doch für die Arten, die die Fundación schützt und rehabilitiert, ist ein Baum in voller Produktion genau das, was die Karte braucht: ein Orientierungspunkt, eine eingetragene Vorratskammer, ein Versprechen, dass die Nahrung da sein wird, wenn sie gebraucht wird.
Der fruchtbare Tamarinde der Savanne
Unter einem Himmel von unentschuldigtem Blau hielt Michel Salas vor einem der ältesten und unverwechselbarsten Bäume des Heiligtums inne: einem Tamarinde mit dickem Stamm und weit ausladender Krone, der an jenem Sonntag, dem 22. März, schwer von Hülsenfrüchten hing. Die Äste streckten sich nach allen Seiten wie Arme, die etwas darreichen, und zwischen ihnen baumelten die dunklen, geschwungenen Früchte des Tamarindus indica — ein Zeichen, dass der Baum eine fruchtbare Zeit durchlebt.
Michel hielt das Vorkommen des Individuums mit zwei Fotografien und einer genauen Standortangabe fest. Der Baum war bereits auf der Karte des Heiligtums verzeichnet, doch der heutige Bericht fügt etwas Wesentliches hinzu: Er trägt Früchte, er ist aktiv, er steht in gutem Zustand. In einer Zone mit so trockener Vegetation wie dieser, wo das Gras vergilbt und die Sträucher sich gegen den Boden ducken, ist jener Tamarinde eine offene Speisekammer für die Tierwelt des Ortes.
Die Chronik wurde mit Koordinaten, Fotos und Michels Unterschrift in das Feldbuch eingetragen. Der Tamarinde wird weiter dort stehen und seine Hülsen unter jenen verteilen, die zu suchen wissen.
Michel findet Moringa zwischen wildem Uvito
An jenem Sonntag im März wanderte Michel Salas durch das Gestrüpp des Schutzgebiets, als die Uvitos ihn zum Innehalten brachten: mehrere Bäume, schwer beladen mit Trauben, deren Früchte von Grün nach Gelb übergingen – alles unter einem Himmel ohne eine einzige Wolke. Er fotografierte sie von unten, das Blätterdach, das sich über dem Blau schloss, und ging dann weiter.
Tiefer im Inneren, im Gewirr aus Ästen und Lianen des Unterholzes, entdeckte er zwei weitere Pflanzen. Eine davon, die die Einheimischen pica pica nennen: brennend auf der Haut, mit trockenen Hülsen und Früchten, deren genaue taxonomische Zuordnung noch aussteht. Die andere – in seinen Händen gehalten und mit Seite 69 des Feldführers abgeglichen – erwies sich als Moringa, Moringa oleifera, völlig verwildert, mit ihren gefiederten Blättern und weißen, geöffneten Blüten auf dem ausgedörrten Boden des tropischen Trockenwalds.
Niemand hatte sie dort gepflanzt. Sie stand allein da und blühte, ohne dass sie jemand eingeladen hätte.
Die Sangresuela, die täuscht und verzaubert
Michel Salas bahnte sich seinen Weg durch das Unterholz, als er sie entdeckte: ein zartes Pflänzchen mit schlankem Stängel, ovalen Blättern und, zwischen dem dürren Laub hervorlugend, eine Reihe von Beeren in einem so satten Rot, als wären sie frisch gemalt. Es war die Rivina humilis, in diesen Gefilden unter dem Namen Sangresuela bekannt, und schon nach einem Moment erinnerte er sich daran, wofür die Kinder hier sie verwenden — sie drücken die kleinen Beeren auf die Haut und erscheinen dann mit einem rot befleckten Arm, vortäuschend Wunden, die die Mütter erschrecken und bei den Freunden schallendes Gelächter auslösen.
Die Pflanze stand in voller Blüte: Ihre Knospen wuchsen in Trauben aufwärts, während die reifen Früchte darunter hingen wie kleine Perlen einer Halskette. Michel fotografierte sie an den Koordinaten des Santuarios, in jenem Winkel aus niedrigem Bewuchs und strohigem Gras, wo die Rivina humilis aus der Familie der Petiveriaceae fast lautlos gedeiht — unbemerkt von jedem, der nicht weiß, wonach er suchen soll. Doch wer sie einmal gesehen hat, dieses lebendige Rot inmitten von Grün und trockenem Erdreich, kann sie nicht mehr übersehen.
Michels weiße Blüten auf dem Pfad
Im dichten Grün des Santuarios schritt Michel Salas langsam einen der inneren Pfade entlang, den aufmerksamen Blick dessen, der weiß, dass der Wald immer etwas verbirgt. Es war der 22. März, als er, den Rucksack über der Schulter, vor einem Baum innehielt, der ihn auf der Stelle festhielt: ein Pseudobombax ellipticum in voller Blüte, seine weißen Blüten in Büscheln aus feinen Staubgefäßen, zart wie Seidenfäden.
Die Art, im Volksmund algodón de seda genannt, gehört zur Familie der Malvaceae und blüht auf eine Weise, die niemanden unberührt lässt: Diese Blüten ohne sichtbare Blütenblätter, die nur aus Staubgefäßen bestehen, wirken wie schwebende Pompons zwischen den Ästen. Michel fotografierte sie und trug sie in das botanische Inventar ein, das er an jenem Nachmittag an den Koordinaten nördlich der Reserva aufstellte.
Der Fund wurde festgehalten: ein blühendes Exemplar, dokumentiert, in einem Winkel des Waldes, durch den die Pfade führen — aber nicht immer die Aufmerksamkeit.
```json
{
"title": "Die Liane, die Milch blutet im Trockenwald",
"cronica": "Der Boden war so aufgesprungen, dass er aussah wie eine in tausend Stücke zerbrochene Landkarte. So fand Michel Salas das Gelände, als er aufbrach, um seinen Florainventur-Rundgang in jenem Winkel des Santuarios zu machen, wo der Trockenwald einen in die Enge treibt und die Vegetation sich verteilt, als suche auch sie den Schatten. Zwischen Sträuchern und herabhängenden Hülsen notierte Michel, fotografierte, betastete Blätter und Früchte mit der Ruhe eines Menschen, der gelernt hat, das Feld zu lesen.\n\nDer Fund des Tages war eine Liane. Als er sie anschnitt, trat ein reichlicher Exsudat aus — jene weiße „Milch", die unverkennbares Zeichen der Familie Apocynaceae, Unterfamilie Asclepiadoideae, ist. Kurz danach ein weiteres Geschenk: eine bereits geöffnete Frucht, die ihre weißen, seidigen Fasern nach außen kehrte, als wolle sie etwas darbieten. In seiner Handfläche sammelte Michel drei schwarze Samen, deren Radicula bereits hervorlugte — am freien Himmel keimend, bereit, sich vom Wind in einen anderen Winkel des Santuarios tragen zu lassen.\n\nInsgesamt sechs Fotoaufnahmen einer kurzen, aber dichten Begehung. Der Trockenwald bewahrt mehr, als er auf den ersten Blick preisgibt."
}
```
Die blauen Trichterblüten von La Manga
Am Sonntag, dem 22. März, bückte sich Michel Salas durch das dichte Unterholz von La Manga und fand, was das Schutzgebiet still und ohne Ankündigung gehütet hatte: einen Büschel wilder Trichterblumen mit blauvioletten Blüten, pralle grüne Knospen, die geduldig auf ihren Moment warteten. Es war eine Convolvulaceae — wahrscheinlich Ipomoea — die kriechend und zurückhaltend zwischen trockenem Gras und verschlungenem Gerank wuchs, als hätte sie schon immer dort gelegen, unbemerkt von allen.
Michel fotografierte sie zweimal: zuerst aus der Distanz, wo der Farbtupfer zwischen all dem Grün aufleuchtet; dann mit der Hand, die einen Zweig beiseite hält, um die Knospen im Detail zu zeigen. In diesem zweiten Bild steckt alles: die Pflanze, die Hand, das Dickicht dahinter. Der Fund wurde unter den Koordinaten 10,444474°N, 75,257507°W georeferenziert — ein weiterer Punkt auf der lebendigen Karte des Schutzgebiets.
Ipomoea sind Meisterinnen der Verkleidung — sie tauchen dort auf, wo man sie am wenigsten erwartet, klettern, kriechen, blühen in Blau, während der Rest des Waldes sich im Grün verliert — und Michel Salas' Aufnahme ist eine Erinnerung daran, dass La Manga noch immer Geheimnisse bereithält für alle, die sich bücken und hinschauen.
Die Liane, die von Grün zu Braun reift
Auf dem Erdpfad, der durch den Tropenwald der Reserva führt, blieb Michel Salas vor einer Liane stehen, die üppig von den Baumkronen herabhing – mit jenem leuchtenden Grün, das das Morgenlicht zu trinken scheint. Notizbuch in der Hand, hob Michel einen Zweig an, um ihn genauer zu betrachten: Er gehört zur Familie der Sapindaceae, einer Gruppe, die vom mamoncillo bis zum Guaraná reicht und in diesen Wäldern ihre wildeste Erscheinungsform als kletternden Bejuco findet.
Die Früchte zeigten sich kaum, noch grün und unreif, und trugen in sich das Versprechen, zu Braun zu werden, wenn ihre Stunde gekommen ist. Während Michel die Details notierte, streunte ein brauner Hund hinter ihm über den Pfad, gleichgültig gegenüber dem Fund – als wäre der Wald der selbstverständlichste Ort der Welt, um einen Nachmittag zu verbringen. Die Koordinaten wurden festgehalten, die Fotos gemacht, und die Liane hing weiter über dem Weg, so still und geduldig wie immer.
Was blüht, ohne dass jemand es sät
Am Sonntag, dem 22. März, durchstreifte Jillian Pomare die Gärten und bewaldeten Zonen des Santuario mit der Ruhe eines Menschen, der nichts Bestimmtes sucht und am Ende alles findet. Zwischen dem satten Grün des Rasens und dem großzügigen Schatten der alten Bäume tauchte eine Blüte von Canna indica auf — korallenrot mit einem Hauch von Lachs, die Blütenblätter weit geöffnet, als hätte sie schon seit Tagen gewartet, dass endlich jemand sie bemerkt. Jillian hob sie ins Sonnenlicht, um sie für die Ewigkeit festzuhalten.
Weiter im Inneren hinterließ der Weg Bilder des Santuario in seinem alltäglichsten Zustand: das wachsartige, dunkle Laub von dem, was ein ausgewachsener Ficus sein könnte, die ausgebreckten Äste des Blätterdachs, die den blauen Märzhimmel durchscheinen lassen, und das rote Dach des kleinen Landhauses, das zwischen dem Grün hervorlugt wie ein selbstverständlicher Teil der Landschaft. Nichts Außergewöhnliches auf den ersten Blick — und doch die stille Bestätigung, dass dieser Ort lebt und gedeiht.
Manchmal verzeichnet das Feldbuch keine Ereignisse, sondern Anwesenheiten. Dies war ein solcher Tag.
Der Wald, der in Cartagena Botanik lehrt
Am Sonntag, dem 22. März, betrat José Marín den Wald der Fundación Loros in Begleitung einer Gruppe von Botanikstudierenden der Universidad de Cartagena. Der Pfad empfing sie nach und nach: zuerst der dichte Schatten eines Baumes mit weit ausgebreiteten Ästen, dann der grüne Tunnel, den die Vegetation über dem Erdweg bildet — das Sonnenlicht sickerte durch das Blätterdach und zeichnete goldene Flecken auf den Boden. In der Ferne lagen die Hügel weiterhin unter jenem Grün, das keine Erlaubnis braucht.
Während sie voranschritten, begann die Gruppe zu benennen, was der Wald ihnen zeigte: Gestrüpp, das sich an den Wegrändern entlangrankte, Lianen, die mit jener langsamen Geduld herabhingen, die Kletterpflanzen eigen ist. José berichtete, dass es in dem Gebiet noch weitaus mehr botanisch bedeutsame Arten gab — das Inventar hatte kaum begonnen, als die letzte Nachricht eintraf: Sie seien noch drinnen, auf der Suche.
Es hat seinen eigenen Wert, wenn eine Feldübung nicht rechtzeitig endet, weil der Wald noch mehr zu geben hat. Genau das geschah an jenem Sonntag im Schutzgebiet: Das Santuario erfüllte seine Aufgabe, ohne sie anzukündigen, und die Studierenden gingen mit vollen Händen nach Hause.
Schwer beladene Uvita in La Manga del Peligro
In dem Abschnitt, den die Leute der Fundación La Manga del Peligro nennen, hob Michel Salas die Kamera in den Mittagshimmel und hielt fest, was der Baum zu zeigen hatte: eine offene, großzügige Krone, deren Äste in Trauben kleiner, perlweißer Früchte endeten. Es war ein Tag mit klarem Sonnenschein, einer jener Tage, an denen das Blau des Himmels über Cartagena aussieht, als wäre es frisch gemalt.
Der Baum ist eine Uvita — Cordia dentata, in diesen Wäldern bekannt für ihre kleinen Früchte, die Vögel und Säugetiere anlocken, sobald sie reifen — und an jenem Sonntag hing er schwer davon. Michel sah in diesem Moment keine Tiere, doch die Früchte lügen nicht: Wenn die Uvita so voll ist wie diese, ist Besuch nur eine Frage der Zeit.
La Manga del Peligro blüht in Samara
An jenem Sonntag brach Michel Salas allein auf, um La Manga del Peligro unter einem wolkenlosen Himmel zu durchstreifen – jenes intensive Blau, das nur erscheint, wenn der Sommer an der Costa wirklich zupackt. Das Buschland befand sich in jenem besonderen Übergang, den Botaniker so sehr schätzen: ein Gemisch aus lebendigem Grün und trockenem Braun, verschlungene Äste voller Schoten, die im Wind knistern. Michel dokumentierte sorgfältig zwei GPS-Punkte und hielt fest, was das Gestrüpp ihm zu zeigen bereit war: eine Liane mit Früchten in Samara-Form – jene geflügelten, federleichten Gebilde, die der Wind davontragen wird, sobald die richtige Brise kommt – sowie mehrere Bäume der Familie Fabaceae mit dichten Trauben trockener, beigefarbener Hülsenfrüchte, die schwer von den Ästen hingen.
Doch der präziseste Fund des Tages war eine Pflanze, die Michel ohne zu zögern erkannte: Brickellia sp., aus der Familie der Asteraceae, mit ihren trockenen, fedrigen Früchten, die sich durch das Dickicht zerstreuten wie kleine Wattekoheten. Es ist eine Art, die in den Aufzeichnungen der Reserva selten auftaucht. Sechs Fotografien blieben als Zeugnis eines Abschnitts, der – nach dem zu urteilen, was die Bilder zeigen – mehr birgt, als er auf den ersten Blick preisgibt.
Hängende Schoten und Mantiseier im Blätterdach
Michel Salas hob den Blick durch das Laubwerk und fand, was der Wald für jene bereitgehalten hatte, die zu sehen verstehen: eine Liane aus der Familie der Bignoniaceae, die sich zwischen den Baumkronen emporrankte, ihre langen, dunklen Schoten wiegten sich träge gegen den blauen Märzhimmel. Von unten wirkte das Geflecht aus Ästen und Blättern verschiedenster Formen wie ein dichtes Gewebe, fast undurchdringlich — doch die hängenden Schoten verrieten es.
Weiter unten, an einem dünnen Ast in Reichweite der Hand, entdeckte Michel etwas Unscheinbareres: eine Oothek mit rauer Oberfläche und grauem Farbton, angeheftet mit der Entschlossenheit dessen, der weiß, dass darin etwas Bedeutsames heranreift. Sie könnte von einer mantis religiosa stammen oder von einem anderen Insekt — das Feld gibt seine Antworten nicht immer auf einmal preis. Was jedoch deutlich wurde: In diesem Winkel der Reserva, zwischen verwobenen Lianen und verschlungenen Ästen, war das Leben ganz mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt.
Der uvito und die pringamosa blühen gemeinsam
An jenem Sonntag, dem 22. März, betrat Michel Salas den Wald unter einem tiefblauen Himmel, wie er nur dem trockenen Morgen der Küste eigen ist. Im dichten Gestrüpp der Reserve, wo sich die Äste ineinander verschlingen und das raschelnde Laub unter jedem Schritt knistert, fand er den uvito wieder in voller Blüte — dieselbe Kletterpflanze mit ihren weißlich-gelben Blüten, die in früheren Einträgen dieser Chronik schon ihre Spuren hinterlassen hat — von den Sträuchern herabhängend, als hätte sie seit dem letzten Besuch nie aufgehört zu wachsen.
Wenige Meter entfernt, fast verborgen im Dickicht der Strauchvegetation, entdeckte Michel zwei Exemplare von Urera baccifera, die pringamosa, die einem jeden gehörigen Respekt einflößt, der sie unvorsichtig streift. Da stand sie, mit ihren gelb-grün gelappten Blättern, den von feinen Stacheln borstig besetzten Stängeln und den kleinen weißen Blütentrauben, die oben aus dem Grün hervorlugen. Man berührt sie nicht, aber man schaut sie an: In diesem Winkel der 520 Hektar blüht die pringamosa mit derselben Gelassenheit wie alles andere auch.
Michel hielt vier Fotografien und zwei GPS-Punkte des Gebiets fest — Koordinaten 10,4456°N, 75,2598°W — bevor er seinen Weg fortsetzte. Der tropische Wald tut sein Werk, lautlos und beständig.
Die Ara ararauna, ruhend zwischen dem Ají guai guao
Am 25. Januar durchquerten Salomé Piza und Michel Salas das Buschland der Reserva unter einem wolkenlosen Himmel – jener Art von Himmel, der das Grün der Bananenstauden zum Leuchten bringt. Am ersten Punkt des Rundgangs, zwischen den breiten Blättern der Musaceae und den grünen Büscheln des Fuchsschwanzes – jenem Amaranthus retroflexus, der wächst, ohne dass ihn jemand gesät hat –, fanden sie, was den Weg lohnte: eine Ara ararauna, die blau-gelbe Keilschwanzara, still im Blattwerk sitzend. Sie befindet sich noch in der Rehabilitation, und an jenem Tag ließ sie sich ohne Eile filmen, als wüsste sie, dass die Zeit für sie arbeitete.
Einige Meter weiter nördlich wurde das Unterholz dichter. Salomé und Michel dokumentierten eine Fabaceae mit trockenen, braun von den Ästen hängenden Schoten – eine Art, die noch der Bestimmung harrt – sowie einen Strauch voller Früchte in allen Reifestadien: grün, orange, schwarz. Es handelte sich um Capsicum frutescens, den Ají guai guao, wie ihn die Landbevölkerung dieser Gegend nennt. Mit diesem letzten Fund schlossen sie den Tag ab – die Reserva hatte, nach und nach, etwas von dem preisgegeben, was sie in sich trägt.
Die Casa Plantada erwacht im März
Gerard O'Neill kam mit der Kamera in der Hand zur Casa Plantada und fand einen Winkel, der scheinbar über Nacht aufgeblüht war. Auf einem einzigen Rundgang dokumentierte er 14 Arten: die Bougainvillea in leuchtendem Purpur, die hier schon lebte, bevor irgendjemand sie beim Namen nannte; die schlanke Corozo-Palme, die sich scharf gegen den blauen Himmel abzeichnete; der Bananenstrauch mit seiner zarten Traube und der rosafarbenen Blüte, die wie eine Laterne herabhing; und eine Cordia alba — der Uvito aus der Familie der Boraginaceae — beladen mit grünen Früchten in Trauben über den Ästen.
Am unerwartetsten war die Sansevieria in voller Blüte. Diese Pflanze mit den gefleckten Blättern, die jahrelang keinerlei Blütenanzeichen gibt, war plötzlich mit einem Büschel gelblich-grüner Blüten und feinen, fadengleichen Staubfäden erschienen. In ihrer Nähe zeigten die Cannas ihre Farben: eine in Lachs-Orange, die Gerard zwischen den Fingern hielt, eine andere in Rot-Rosa mit noch geschlossenen Knospen. Auch das, was ein Carambolo sein könnte, zeigte sich mit seinen sich formenden Früchten, und ein Strauch mit von irgendeinem Insekt durchlöcherten Blättern — ein kleines Detail, das das Objektiv nicht unbemerkt ließ.
Die Casa Plantada erwachte an jenem Sonntag, dem 22. März, mit mehreren Arten, die gleichzeitig blühten und Früchte trugen, als hätte dieser Bereich beschlossen, auf einmal alles zu zeigen, was er zu bieten hatte.
Schmetterling und Papaya, ein spontanes Bündnis
An jenem Sonntag im März spazierte Michel Salas durch das Schutzgebiet, als ihn die Blüte einer Papaya zum Innehalten brachte. Die Pflanze – eine *Carica papaya* aus der Familie der Caricaceae – stand in voller Blüte, ihre offenen und fruchtbaren Blüten unter dem tiefblauen Himmel des späten Vormittags. Darauf ruhend erfüllte ein Schmetterling, den Michel als *Parides photinus* erkannte, sein altes Amt: von Blüte zu Blüte zu ziehen und dabei den Pollen zu tragen, unwissend, ohne Eile, mit der stillen Präzision dessen, der dasselbe seit Millionen von Jahren tut.
Wenige Schritte weiter wartete eine weitere Entdeckung: eine Chilipflanze (*Capsicum sp.*), die niemand gesät hatte und die ganz allein zwischen der tropischen Vegetation wuchs, mit noch festen, kleinen grünen Früchten, die zwischen glänzenden Blättern hervorlugten. Neben einer schlichten Palmenstruktur hatte die Pflanze aus eigenem Antrieb entschieden, dass dies ihr Platz sei. In der Fundación Loros wartet die Natur manchmal nicht auf Erlaubnis.
Die Aloe, die im Innenhof blühte
Am 22. März entdeckte Salomé Piza etwas, das kaum jemand wahrnimmt, obwohl es einem direkt vor Augen steht: eine Aloe in voller Blüte. Die Pflanze stand aufrecht in einem Garten im Einflussgebiet der Fundación — mit jenem langen, festen Stängel, den sie in die Höhe reckt, wenn die Zeit gekommen ist, umgeben von ihren dicken, stacheligen Blättern, die Wasser hüten wie ein Geheimnis. Die Sonne brannte hart auf den trockenen Boden, und im Hintergrund setzte eine rosafarbene Buganvilla einen Farbtupfer gegen ein bunt gestrichenes Holzgefüge.
Aloe vera — die Sábila des Alltags, jene Pflanze, die seit Generationen in Töpfen und Hinterhöfen lebt — steht selten im Mittelpunkt einer Beobachtung. Doch diese Aufzeichnung hat ihren eigenen Wert: Sie belegt, dass in der Umgebung des Reservats Pflanzen gedeihen, die eine lange Geschichte menschlicher Nutzung tragen und die dennoch blühen, dennoch ihre Zyklen vollenden, dennoch jemanden verdienen, der sie aufmerksam betrachtet. Salomé betrachtete sie, fotografierte sie und meldete sie. Manchmal beginnt das Monitoring genau so: mit dem Nahen, mit dem, was schon immer da war.
Campanilla morada zwischen den Steinen des Heiligtums
Es war Michel Salas, der sie als Erster entdeckte: zwei Blüten in einem fast unwirklichen Violett, die sich ihren Weg zwischen Steinen und sandigem Boden im Heiligtum der Fundación Loros bahnten. Es war Ruellia simplex, die Campanilla morada, mit ihren breiten, zarten Blütenblättern, die einen wundersamen Kontrast bildeten zu den rötlichen Stängeln und den langen, dunklen Blättern, die sie trugen. Das Mittagslicht fiel direkt auf sie herab und ließ die Farbe noch intensiver leuchten gegen den hellen Boden.
Was die Aufmerksamkeit auf sich zog, war nicht allein die Schönheit der Pflanze, sondern der Ort: allein wachsend, ohne sichtbare Begleitung, auf kargem, kiesigem Grund – als hätte sie selbst beschlossen, sich genau dort niederzulassen. Michel hob die Kamera und hielt sie fest für das Tagebuch. Gattung Ruellia, Familie Acanthaceae. Ein kleiner Farbtupfer auf der lebendigen Karte des Heiligtums.
Der Uvito, der gleichzeitig blüht und Früchte trägt
An jenem Sonntag im März durchstreifte Michel Salas den Garten des Sanktuariums mit der Ruhe desjenigen, der gelernt hat, langsam zu schauen. Zwischen Betonbeeten und sandigem Boden, den die Sonne unbarmherzig ausdörrt, fand er eine nach der anderen die Pflanzen, die in diesem grünen Winkel der Fundación gedeihen: die Ixora mit ihren Büscheln leuchtend roter Blüten, die Bugambilia, die ihr Violett über die Äste des Almendro ergießt, und die Sábila, die sich in fleischigen Rosetten nahe dem Spielbereich ausbreitet.
Doch es war der Uvito — ein Cordia alba von großzügigem Wuchs und breiter Krone —, der den Nachmittag für sich beanspruchte. Michel fotografierte ihn mit gelblich-orangefarbenen Blüten und grünen Früchten zugleich, jene phänologische Seltenheit, die zwischen Februar und März in der kolumbianischen Karibik auftritt. Als in Bolívar und entlang fast der gesamten Küste beheimatete Art ist der Uvito ein Baum vieler Berufe: Er liefert Brennholz, bildet lebende Zäune, ernährt Vieh und Bestäuber gleichermaßen und trägt süße Früchte, die auch Menschen genießen können. Seine Blüten fanden in der Volksmedizin Verwendung — gegen Magenschmerzen und Bronchitis.
Was die Karteikarten selten verraten, ist, wer seine Samen in den Wald trägt: die Fledermaus Carollia perspicillata, jener kleine nächtliche Wanderer, der in Stille arbeitet, während der Garten schläft.
Die Papaya, die Willkommen heißt
Am Eingang des Santuario, wo der Erdweg sich seinen Weg durch die tropische Vegetation bahnt, steht eine Papaya, die jeden Ankömmling empfängt. Salomé Piza entdeckte sie heute Morgen schwer beladen mit grünen Früchten, die dicht am Stamm hängen, und mit gelben Blüten, die zwischen dem Blattwerk hervorlugen — als wollte der Baum alles, was er zu bieten hat, auf einmal zeigen. Jemand hat ihn hier mit Bedacht gepflanzt, neben einer hölzernen Konstruktion, die als Tor zu diesem Ort dient.
Die Carica papaya ist keine wildlebende Art des Santuario, doch ihre kultivierte Präsenz an diesem Punkt folgt einer schlichten und großzügigen Logik: Ein Obstbaum an der Schwelle ist ein Zeichen dafür, dass der Ort lebt und bewohnt ist. Vor dem Hintergrund eines wolkenlosen blauen Himmels und dem grünen Dickicht, das sich zu beiden Seiten schließt, scheint diese Papaya genau den Platz gefunden zu haben, an dem sie sein wollte.
B177 hat Flügel, aber hat vergessen, sie zu benutzen
Im Aviario 1, an das Metallgitter geklammert mit der Gelassenheit von jemandem, der schon viel zu lange stillgehalten hat, beobachtet der Amazonaspapagei B177 FL-VN die Welt von seiner Stange aus — ohne große Eile, abzuheben. Alejandro fand ihn heute Nachmittag so vor: leuchtend grünes Gefieder mit gelben Akzenten am Kopf und roten Flecken an den Flügeln, alles in Ordnung, alles vollständig. Das Problem liegt nicht in den Flügeln — die sind unversehrt —, sondern irgendwo, das sich schwerer erkennen lässt. Dieser Papagei fliegt einfach nicht, oder er will nicht, oder er hat nicht mehr recht in Erinnerung, wie es geht.
Die Gefangenschaft hinterlässt diese stille Spur. Es geht nicht immer um sichtbare Wunden oder gestutztes Gefieder, sondern um eine Gewohnheit, die sich nach und nach aufgelöst hat, während die Tage gleichförmig im Gehege vergingen. B177 braucht jemanden, der ihn davon überzeugt, dass die Luft noch immer ihm gehört. Das Rehabilitationsteam wird behutsam mit ihm arbeiten, mit Übungen zur Flugstimulation, mit Geduld und ohne Hast — denn in dieser Arbeit hat die Eile ohnehin nichts verloren.
Der Currucutú, der das Jagen nicht vergessen hatte
Ein Currucutú-Käuzchen (Megascops choliba) gelangte von einer Schule der Region, deren Name nicht festgehalten wurde, zur Fundación Loros. Es war ein Individuum, das Pflege brauchte, bevor es seinen Weg fortsetzen konnte — und es war Angélica, Vertreterin der Fundación, die es am 27. Februar 2026 zum CAV — Centro de Atención a Víctimas de la fauna silvestre — brachte, damit dort der Rehabilitationsprozess weitergeführt werden konnte.
Wenige Tage nach der Übergabe filmte das CAV etwas, das es wert war, festgehalten zu werden: den Currucutú beim Fang einer lebenden Maus. In dem Video sieht man den kleinen Kauz — mit seinen charakteristischen Federohren und jenen gelben Augen, die zu wissen scheinen, was andere nicht sehen — mit jener lautlosen Präzision handeln, die seine Art auszeichnet. Kein Zögern, kein Zaudern: Der Instinkt war unversehrt geblieben.
Dieser im Video festgehaltene Moment ist, in der Sprache der Rehabilitation, eine gute Nachricht. Er bedeutet, dass der Weg zurück offen steht.
Der Búho currucutú-Nestling, der drei Organisationen durchquerte
Eine Schule aus der Nachbarschaft brachte ihn unangekündigt: einen Nestling des Búho currucutú, klein und desorientiert, den Carlos in der Fundación Loros in Empfang nahm und vom ersten Augenblick an zu pflegen begann. Am 27. Februar brachte Angélica ihn zum Centro de Atención a la Vida Silvestre des EPA Cartagena, wo Marcela — eine langjährige Verbündete der Fundación — und ihr Fachteam ihn mit Handschuhen und behutsamer Hand empfingen, bereit für das, was auch kommen mochte.
Was kam, übertraf alle Erwartungen. Im CAV ist der currucutú — graubraunes Gefieder, gelbe Augen mit jenem Ernst, den Eulen selbst in besten Zeiten nicht ablegen — bereits in einem Video zu sehen, wie er eine Maus frisst: das deutlichste Zeichen dafür, dass die Rehabilitation auf gutem Wege ist. Auf dem jüngsten Foto ruht der Vogel aufgeplustert auf einem Haufen grüner Äste in seinem Gehege, wie jemand, der weiß, dass seine Stunde noch nicht gekommen ist — aber dass sie kommen wird.
Marcela V. schickte uns den Bericht aus dem CAV am 19. März. Der currucutú macht weiter.
Nicolás vermisst das Gelände für vier Volieren
Manche Entscheidungen trifft man beim Gehen. Am 19. März durchquerte Nicolás zu Fuß einen Streifen des Geländes der Fundación Loros, um eine ganz konkrete Frage zu klären: Wo sollen die beiden neuen Volieren des Proyecto Ara entstehen? Die ersten beiden — Aviario #1 und Aviario #2 — sind bereits gebaut und in Betrieb, im selben Bereich, nur wenige Meter voneinander entfernt. Nicolás bewegte sich zwischen ihnen, maß mit den Augen, spürte den Boden unter den Schuhsohlen und begann, mögliche Standorte für die dritte und vierte Voliere abzustecken.
Die vier Punkte wurden in einem kompakten Bereich festgehalten, was darauf hindeutet, dass der Volierenkomplex des Proyecto Ara als zusammenhängendes Ensemble in diesem Sektor des Schutzgebietes Gestalt annehmen wird. Die vorläufigen Standorte für Aviario #3 und Aviario #4 liegen nur wenige Schritte von den bereits bestehenden entfernt — was die Pflege und den Übergang zwischen den Strukturen erleichtern könnte, wenn das Programm weiter voranschreitet.
Vorerst sind es nur Koordinaten und noch offenes Terrain. Doch in diesen auf der Karte markierten Punkten zeichnet sich bereits die Form ab, die das Zuhause, das das Proyecto Ara für die Guacamayas der karibischen Küste errichtet, nach und nach annehmen wird.
Die Pomarosa, die jene ernährt, die noch das Fliegen lernen
In der Reserva gibt es einen Baum, der nie aufhört zu arbeiten. Nilson fand ihn bis an die Grenzen beladen: rote, glänzende Früchte der Pomarosa — oder perita, wie man sie hier nennt — dicht gedrängt zwischen einem Blätterdach, das den Himmel kaum durchscheinen lässt. Der Stamm, kräftig und mit grauer Rinde, trägt eine Krone von solcher Großzügigkeit, dass sie die Knappheit nicht zu kennen scheint.
Der Baum bleibt nicht unbemerkt. Die Eichhörnchen suchen ihn regelmäßig auf, und auch die wilden Loros geben sich ein Stelldichein zwischen seinen Ästen. Doch da ist noch mehr: Die Früchte, die fallen oder von diesem Baum geerntet werden, landen in den Futterstellen der Fundación — als Nahrung für jene Loros, die sich noch in der Rehabilitation befinden, für jene, die noch nicht recht wissen, was sie mit der Freiheit anfangen sollen, die ihnen entgegenkommt.
Es war Nilson, der die offizielle Vorstellung übernahm, eine rote Frucht in der Hand, wie jemand, der etwas zeigt, auf das es sich lohnt, stolz zu sein. Und er hatte recht.
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"title": "Acht Pflanzen und eine von Hand gepflückte Papaya",
"cronica": "Corina kennt den Bereich Casa Guardianes wie ihren eigenen Garten. An diesem Nachmittag kam sie mit vier Besuchern und führte sie von Pflanze zu Pflanze: zuerst die Zitrone, dann die Ananas mit ihren spitzen Blättern, die in den Himmel zeigen, danach das Zitronengras, das seinen Duft schon beim leisesten Berühren freigibt. Weiter vorne der Marañón mit seinen gelben und roten Früchten, die in der Sonne hängen, die Poma Rosa, der Caimito, die Guama und der Cilantro de Monte — jenes kleine, unscheinbare Kraut, das nach allem duftet, was sein Name verspricht.\n\nDie Touristen betrachteten nicht nur. Sie rochen, tasteten, probierten. Und als sie zur Papaya kamen, gaben sie sich nicht damit zufrieden, sie aufgeschnitten zu bekommen: Sie pflückten sie selbst vom Baum, mit bloßen Händen. Dieser Moment — das Gewicht der reifen Frucht, der weiße Milchsaft an den Fingern, die Drei-Uhr-Sonne, die durch die Bäume fällt — lässt sich von außen kaum beschreiben. Corina sagt, ohne Umschweife, dass es ihnen gefallen hat. Und in diesem „es hat ihnen gefallen" steckt alles."
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Echos vom Feld
Fünfzehn Kinder unter dem Palmendach
Am 22. November 2025 saßen fünfzehn Kinder aus der Region auf Holzstühlen unter einem Palmendach, umgeben von dem tropischen Grün, das die Umgebung des Santuarios prägt. Vor ihnen erklärte ein schwarzes Plakat Schritt für Schritt, wie man einen Wildvogel wieder in die Freiheit entlässt. Dieses eine Detail sagt alles: Es war kein Vortrag voller großer Worte, sondern eine Anleitung für den Moment, in dem einem dieser Kinder eines Tages ein Loro oder ein verletzter Vogel vor die Haustür flattert – und es nicht weiß, was zu tun ist.
Die Veranstaltung entstand aus einer Zusammenarbeit zwischen den Biologen der Fundación Loros und Mitarbeitern des Hotel Decameron; berichtet hat darüber Jender Torres, der von Anfang an dabei war. Unter die Anwesenden mischte sich auch ein Hofhund – ein stiller Zeuge des Nachmittags. Die Kinder hörten zu, stellten Fragen und gingen mit etwas nach Hause, das in keinen Flyer passt: der Gewissheit, dass sie wissen, wie sie handeln müssen. Genau das ist die Art von Verbundenheit, die die Fundación in die umliegenden Gemeinden trägt – aufgebaut im Sitzen, unter der Palme, mit Zeit und ohne Eile.
Echos vom Feld
⭐ Historischer Meilenstein
Neunundsechzig Leben kamen zur Fundación Loros
Am 11. Juni 2025 übergab CORANTIOQUIA der Fundación Loros 69 Tiere: 38 Gelbbrustara (*Ara ararauna*), 5 Rotstirnaras (*Ara severa*), 11 Gelbwangenamazonen (*Amazona autumnalis*), 7 Blaukopfpapageien (*Pionus menstruus*) und 8 Lisztäffchen (*Saguinus oedipus*).
Diese Zahlen sind es, die im offiziellen Übergabeprotokoll festgehalten wurden. Doch das Team weiß nur zu gut, dass der Weg lang ist, bevor man ankommt – und dass nicht alle ihn unbeschadet überstehen. Was jedoch gewiss ist: Von jenem Morgen des 11. Juni 2025 an gab es mehr Flügel und mehr Leben in der Fundación.
Ein Streifzug voller lebendiger Zeichen
Am 17. März brach José Marín zu einem Spaziergang durch die Reserva auf, und das Dickicht gab ihm seine Geheimnisse eines nach dem anderen preis. Das erste Geschenk fand er an einer Kletterpflanze hängend: eine Frucht der balsamina (Momordica charantia), die bereits von selbst aufgeplatzt war und ihre Schale geöffnet hatte, um das leuchtend rote Arillus zu zeigen, das die Samen umhüllt — glühend wie Glut zwischen den trockenen Ästen. Weiter vorn ließ sich eine Eichhörnchen beim Springen zwischen den Bäumen auf Video festhalten, flink und ohne dem Beobachter sonderliche Beachtung zu schenken.
Nicht weit entfernt, fast im selben Abschnitt, kündigte sich eine guacharaca an, bevor sie erschien — wie es diese lauten Vögel der Tropen zu tun pflegen — und wurde ebenfalls auf Video festgehalten. Der letzte Fund des Tages war ein stattlicher Termitenhügel, mit der Geduld aus Erde und Speichel mitten im Gestrüpp errichtet, umgeben von Büschen und ineinander verschlungenen Ästen. Vier verschiedene Sichtungen, vier GPS-Punkte, ein einziger Wanderer.
José schloss den Bericht mit offener Tür: Sollte ihm auf dem Weg noch etwas begegnen, werde er es nachreichen.
Das Wespennest, das zwischen den Ästen hing
Am Dienstag, dem 17. März, blieb José Marín mitten in einem dicht bewachsenen Waldabschnitt des Schutzgebiets vor etwas stehen, das sich nicht leicht übersehen ließ: ein Wespennest, aus Lehm gebaut, oval geformt, an einem Ast hängend – mit jener beige-gelblichen Färbung, die es beinahe wie eine fremdartige Frucht im tiefen Grün des Blätterdachs aussehen ließ.
Das Nest, von beachtlicher Größe, trug die Spuren stiller, geduldiger Arbeit: Schicht um Schicht präzise geformter Lehm, an den Ast geschmiegt, als hätte er dort schon immer hingehört. José fotografierte den Fund und meldete ihn weiter. Im Schutzgebiet sind solche Strukturen ein Zeichen dafür, dass der Wald lebt und funktioniert: Die Wespen bestäuben, regulieren Insektenpopulationen und nehmen ihren Platz in der Nahrungskette ein – ohne dabei um Erlaubnis zu fragen.
Die Koordinaten sind vermerkt. Das Nest hängt noch immer zwischen den Ästen und tut ganz einfach das, was es tut.
Sechs Lisztäffchen in der Mittagsstille
Die Mittagshitze lag schwer über dem Land, als Omar Enrique Berdugo Cabeza mit Früchten für die Lisztäffchen-Gruppe tief in die Reserva vordrang. An der Futterstelle angekommen war keine Spur von ihnen zu sehen — also griff er zum vertrauten Mittel: dem Klang des Tanks, jenem bekannten Ruf, den die Affen längst zu deuten gelernt haben. Nach und nach erschienen drei von ihnen, kamen herunter, fraßen, und verschwanden wieder dorthin, wo sie hergekommen waren.
Omar folgte ihrer Spur bis zu den Koordinaten des Refugiums — und dort waren sie, alle sechs: eingebettet im dichtesten Grün, auf der Suche nach dem Schatten und der Kühle, die das Dickicht ihnen schenkt, wenn die Sonne am härtesten brennt. Während die Gruppe ruhte, strichen zwei Poyonetas durch die Umgebung — jene lautlosen Greifvögel, die den Lisztäffchen von Zeit zu Zeit in Erinnerung rufen, dass der Wald seine eigenen Gesetze kennt.
Neun Videos blieben als Zeugnis — einige tauchten zunächst vermischt im Thread des B20 auf, zwei verschiedene Geschichten, die für einen Moment denselben Faden teilten, bevor Omar sie voneinander trennte. Die sechs Individuen, vollzählig, im Schatten, in ihrem Refugium.
B20 kehrt für eine Weile in den Käfig zurück
Omar Enrique Berdugo Cabeza kam an jenem Nachmittag zur Fundación Loros, wie er immer kommt: mit Augen, die alles erfassen, bevor er seine Fütterungsrunde beginnt. So sah er ihn. Der Pionus B20 — ein scheuer Blaukopfpapagei, einer von jenen, die sich nie näherkommen lassen — saß reglos auf einem Ast des Matarratón-Baumes, das Gefieder aufgeplustert, mit einer Stille, die nicht die seine war. Omar näherte sich, und der Vogel floh nicht. Das sagte alles.
Er fing ihn mit einem Handtuch ein, brachte ihn ins Zimmer und fand die Spuren dessen, was geschehen war: am rechten Flügel Abdrücke eines Raubtiers, das ihn zu greifen versucht hatte und gescheitert war; am linken fehlten zwei Schwungfedern. Mit diesen Flügeln konnte sich B20 keine zwei Meter in der Luft halten. Er wog ihn — 378 Gramm —, dokumentierte die Verletzungen mit Fotos und Videos und brachte ihn zurück in einen Käfig mit frischem Obst, Wasser und Ästen. Dann benachrichtigte er seinen Vorgesetzten Alejandro und seinen Kollegen Carlos, um alles ordentlich festzuhalten.
B20 hatte die Freiheit bereits gekannt. Er wird sie wieder kennen, wenn die Federn nachwachsen und die Flügel wieder ihm gehören. Vorerst ist der Käfig Zuflucht — kein Urteil.
Sechs titís und der Ruf der Trommel
Omar Enrique Berdugo Cabeza kam mit ein paar kleinen Früchten in der Hand zur Futterstelle — doch niemand war zu sehen. Also griff er zum alten Trick: dem Klang des Tanks, dieser Trommel, die die Tití-Äffchen schon von weitem kennen. Es hieß warten. Das Santuario hielt für einen Augenblick den Atem an, die Nachmittagshitze klebte an den Blättern, bis aus dem Dickicht einer nach dem anderen die sechs Individuen der Gruppe auftauchten. Sie fraßen, und dann zogen sie wieder zurück in ihr Revier, als wäre eine Pflicht erfüllt worden.
Noch auf derselben Runde trieben sich zwei poyonetas in der Nähe des Geländes herum, still ihren eigenen Geschäften im Unterholz nachgehend. Omar setzte den Weg fort und fand schließlich alle gemeinsam im kühlen Grün, auf der Suche nach Schatten gegen die Nachmittagsglut. Da waren sie, die sechs — reglos, ruhend in jenem Winkel der Reserva, den sie längst als ihren eigenen erkennen.
Zwei neue Leben in Valle Verde
An diesem Nachmittag, im Bereich von Valle Verde, fand Angélica Cecilia Mármol Venegas das, was manchmal einfach so kommt, ohne Vorwarnung: zwei neugeborene Zicklein, die auf der feuchten Erde des Geheges lagen – ein Weibchen und ein Männchen – mit dem braunen Fell noch weiß gesprenkelt, als hätte jemand Milch darüber gespritzt. Sie ruhten still, mit jener Gelassenheit, die nur denen eigen ist, die gerade erst auf der Welt angekommen sind und noch nicht recht wissen, wo sie gelandet sind.
Weiter oben, auf den offenen Weiden, die sich zu den Hügeln hin erstrecken, verbrachte der Rest der Herde ihren gewöhnlichen Nachmittag: Kühe in allen Farben grasten im warmen Licht der untergehenden Sonne, und eine stattliche Gruppe trank an der natürlichen Tränke, umgeben von tropischem Grün und blauem Himmel. Eine Szene ohne Eile – so wie es an diesem Ort sein soll.
In der Fundación Loros ist die Geburt dieser beiden Zicklein in Valle Verde einer jener Momente, die das Feldteam mit Sorgfalt festhält – gutes Weidegras, sauberes Wasser, sicheres Gehege –, damit das, was hier auf die Welt kommt, vom ersten Tag an alles hat, was es braucht.
Keine Worte aus dem Feld, keine Chronik
Omar schickte im Laufe des Tages vierzehn Videos, eines nach dem anderen, ohne ein einziges begleitendes Wort. Auf der Seite des Chronisten häuften sich ebenfalls die Nachrichten: Fragen nach der Art, dem Ort, wer dabei gewesen war, was sich ereignet hatte. Keine davon wurde beantwortet.
Die Videos kamen an – doch ohne Stimme gibt es keine Geschichte. Eine Chronik braucht das, was die Kamera nicht immer einfängt: den Namen des Ortes, den Geruch feuchter Erde, die Angabe, wer dabei war und warum das, was sie gesehen haben, von Bedeutung ist. Ohne das bleiben diese Bilder stumm im Feldbuch.
Dieser Eintrag bleibt vorerst offen. Sobald Omar oder jemand aus dem Team erzählt, was sie an jenem 16. März aufgenommen haben, werden sich für die Geschichte die richtigen Worte finden.
Das Eichhörnchen, der Tau und der Papagei, der das Schweigen lernt
An jenem Morgen durchquerte Omar Enrique Berdugo Cabeza das Schutzgebiet mit einer Gruppe von Besuchern, deren Namen im Vergessen blieben, die aber etwas Beständigeres mit sich trugen: das Bild der grünen Papageien, die über die Bereiche B12, B11 und B07 hinwegstrichen und sich ganz nah niederließen, ohne Scheu, als hätten sie ihr ganzes Leben darauf gewartet, Gesellschaft zu finden. Genau zwischen diesem Flug und diesem Staunen erschien sie, still und unaufdringlich — ein wildes Eichhörnchen, das den Tau trank, den der frühe Morgen schlafend auf den Bananenblättern hinterlassen hatte. Einer jener Augenblicke, die das Schutzgebiet verschenkt, ohne sich anzukündigen.
Etwas weiter, in den Volieren 1 und 4, waren die Guacamayas schon ganz bei sich: Paprika, Erdnüsse, Papaya, Banane und Sonnenblumenkerne — das gewohnte Frühstück, genossen mit jener farbenprächtigen Feierlichkeit, die nur ihnen eigen ist. Doch in Voliere 3 verbarg der Morgen seinen stillsten Moment. Der loro real stieß nachahmende Laute aus — diese so menschliche Gewohnheit, die in ihm wie eine List klingt — und das Team antwortete, ganz dem Protokoll getreu, mit Schweigen. Denn das Ziel hier ist nicht, dass der Papagei lernt, wie wir zu sprechen, sondern dass er vergisst, wie es geht — damit er an dem Tag, an dem er die Grenze zum Wald überquert, frei ist von allem, was wir ihm beigebracht haben.