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Weg in die Freiheit

Feldtagebuch der Fundación Loros


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Sombrerito und die reifen Papayas am Aviario

Am späten Nachmittag, in der Nähe der Aviarios #1 und #2 der Fundación Loros, beobachtete Omar Enrique Berdugo Cabeza, wie der erste ankam: ein grüner Loro, der auf einem Papayabaum landete und begann, das orangefarbene Fruchtfleisch einer reifen Frucht aufzupicken. Noch bevor Omar ihn richtig hatte betrachten können, waren es bereits drei Loros, die sich das Mahl streitig machten — und ein Specht hatte sich dem Fest ebenfalls angeschlossen. Die Szene war so eindrücklich, dass das Team bald alle dasselbe sagten: Man sollte mehr Obstbäume in der ganzen Gegend pflanzen. Während Omar die Szene fotografisch festhielt, war es Sombrerito — der Loro mit der Erkennungsmedaille B12 —, der ihn aus nächster Nähe begleitete und dabei ganz in seiner eigenen Welt die Umgebung erkundete. In einem bestimmten Moment sah Omar ihn vor einer Balsamina-Frucht innehalten — jener Frucht mit dem gelben Fleisch und den roten Kernen, die Campesinos wegen ihres süßen und eigentümlichen Geschmacks so schätzen — und sich dann mit aller Gelassenheit ans Fressen machen, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan. Insgesamt vier Fotografien und fünf Videos blieben als Zeugnis dieses Nachmittags: wilde Loros auf den Papayas, ein Specht zu Besuch und Sombrerito, der seine Balsamina in der Sonne der Reserva genoss.
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Ein argentinischer Walnussbaum im karibischen Kautschuk

Nahe der Grenze der Finca Piedemonte, dort, wo das Land der Fundación Loros sich verabschiedet, bevor es einem anderen Landstrich Platz macht, steht ein Walnussbaum, der eine Geschichte des langen Weges in sich trägt. Seine Samen kamen aus Argentinien, überquerten Grenzen in irgendeiner Tasche oder einem Koffer, und fanden schließlich hier ihren Platz — an der kolumbianischen Karibikküste, gepflanzt in einen alten Reifen, der nun als Blumentopf dient. Es waren Rosangela, Chiarita und Alejandro, die ihn gesetzt haben. Der Baum ist noch jung, dem ungeübten Auge fast zerbrechlich. Doch wer sich bückt und genau hinschaut, entdeckt die neuen Triebe, die rötlich aus den Astspitzen hervorlugen — jene Färbung, die bei Pflanzen ein Zeichen ist, dass etwas funktioniert, dass das Leben seinen Lauf nimmt, ohne um Erlaubnis zu fragen. Der Reifen ist kein Schmuck: Er ist pure Erfindungsgabe, die pragmatische Lösung derer, die mit dem arbeiten, was sie haben. Und so steht der Walnussbaum, still zwischen Gestrüpp und tropischem Licht, in seinem jungen Holz die Erinnerung an einen anderen Boden tragend und das Versprechen, hier Wurzeln zu schlagen.
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Der Golero, der den Heimweg wies

Am Dienstag, dem 7. April, kam Caldique zum See Los Borrachos — auf dem Gelände der Guardianes — mit einer Mission, die sich seit dem Morgen schon halb erfüllt hatte. Zuvor, im grünen Schatten des Waldes, waren mehrere Canarios freigelassen worden. Omar sah sie auf den Ästen landen, mit jener Stille, die Tiere nur dann haben, wenn sie spüren, dass der Raum um sie ihnen gehört. Doch erst um 11:34 Uhr erlangte dieser Tag seinen schönsten Augenblick. Der Golero, der in Los Borrachos freigelassen wurde, schoss nicht davon, wie es sonst üblich ist. Er blieb vor den Fahrzeugen des Teams stehen und begann, den Weg entlangzulaufen — als wollte er diejenigen geleiten, die ihn bis dorthin gebracht hatten. Die Autos folgten ihm, langsam, ohne ihn zu drängen. Als der Golero das Gefühl hatte, seine Aufgabe sei erfüllt, trat er zur Seite und verschwand im Dickicht. Niemand wusste genau, wie viele Canarios an diesem Tag flogen — Omar hatte das Video aufgenommen, aber nicht mitgezählt —, und vielleicht ist das auch nicht so wichtig. Was blieb, war das Bild eines großen, schwarzen Vogels, der einen Erdweg entlangschritt und den Weg freimachte, und eines Teams von Menschen, das sich ausnahmsweise darauf einließ, einem anderen die Führung zu überlassen.

Stein für Stein, der Name des Heiligtums

An jenem Sonntag, ohne dass ihn jemand darum gebeten hätte, sammelte Omar Enrique Berdugo Cabeza Steine aus dem Garten des Heiligtums und begann, sie auf der Erde anzuordnen, einen nach dem anderen, ganz dem Spiel seiner Vorstellungskraft überlassen. Als er fertig war, stand der Name der Fundación Loros in den Boden geschrieben, eingerahmt von rosa und violetten Bugambilias, die strohgedeckte Palapa als Kulisse dahinter. Eine Idee, die niemand ihm eingeflüstert hatte, entstanden aus sich selbst heraus, mitten in den Stunden des Nachmittags. Danach führte der Tag weiter zum Aviario #2, wo die Loros das taten, was sie am besten können: anstecken. Es liegt etwas in ihrem Lärm und in ihren Farben, das jedem Besucher die Ernsthaftigkeit nimmt, und dieser Tag bildete keine Ausnahme. Beim Verlassen des Aviarios hielt das offene Land noch eine letzte Überraschung bereit: Zwei Morollos — jene mittelgroßen Tauben mit dem braunen Gefieder, die an den Rändern des Heiligtums leben — befanden sich mitten in ihrer Balz. Eine stille, präzise Szene, die Omar mit ruhiger Hand festhielt. Zwei Vögel, der Frühling auf seinem weiteren Weg, und der Kreislauf, der seinen Gang geht zwischen den Bäumen der Reserva.
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Die Schwalben wussten es zuerst

Bevor der erste Tropfen fiel, wusste es der Wald bereits. Omar Enrique Berdugo Cabeza war auf seinem Rundgang rund um das Hauptgebäude unterwegs, vorbei an den Volieren und dem Weg, der den lago 2 säumt, als der Himmel noch kein klares Wort sprach. Es waren die Schwalben, die es ankündigten: ein unruhigerer Flug, tiefer als sonst, mit einer Dringlichkeit, die die Luft zerschnitt. Dann stimmten die Loros ein mit ihrem Gesang, und hinter ihnen all die anderen Vögel der Umgebung — alle in Bewegung, alle rufend, als wäre der Regenschauer bereits eine Gewissheit, die sie tief in sich trugen. Dieser Augenblick — wie der gesamte Wald sich dem Regen entgegenstreckte, noch bevor er kam — wurde in elf Videos festgehalten. In diesem gemeinsamen Ruf liegt keine Unruhe, sondern etwas, das eher der Freude ähnelt: die Vögel, die diesen Ort in- und auswendig kennen, antworten auf ein Zeichen, das wir Menschen erst mühsam zu lesen lernen. Omar Enrique sah es, hielt es fest, und hatte die Geistesgegenwart zu erkennen, dass er etwas bezeugte, das sich hier bei jedem Regen wiederholt — in der Fundación Loros — auch wenn nicht immer aufmerksame Augen da sind, um es wahrzunehmen.

Elf Eichhörnchen im mamón, der keine Früchte trägt

Es gibt Bäume, die alles geben — auch wenn sie keine Früchte tragen. Der männliche mamón, der vor dem Park der Fundación Loros wächst, ist so ein Baum: ohne Samen, die er verschenken könnte, ist er seit Jahren Zufluchtsort, Futterplatz und stiller Zeuge des Lebens, das durch seine Äste zieht. An diesem Nachmittag, in voller Blüte und voller Lärm, gab er wieder alles. Omar Enrique Berdugo Cabeza konnte kaum glauben, was er sah. Elf Eichhörnchen gleichzeitig — hinauf und hinunter, auf der Suche nach Partnern, mit jener nervösen Schnelligkeit, die sie haben, wenn der Instinkt stärker ist als die Angst. Der ganze Baum schien zu vibrieren. Sein Begleiter Alberto stand daneben und sagte nichts, so wie man manchmal weiß, dass jedes Wort zu viel wäre. Währenddessen machten die Guacamayas in den hängenden Futterplätzen zwischen denselben Ästen ganz ungerührt ihr Ding — ruhig, weit entfernt vom Trubel — und irgendwo im Schatten des Laubes trank ein einzelnes Eichhörnchen still Wasser, als ginge das Fest es nichts an. Omar filmte alles. Aber es gibt Dinge, die ein Video nicht einfangen kann: diesen Moment, in dem man innehält, den Blick hebt und versteht, dass in einem einzigen Baum ganze Welten Platz haben.

B12 kam mit einem geschlossenen Auge

Carlos fand ihn zuerst, nahe dem Haus der Fundación. Er saß still da, das grüne Gefieder makellos, doch das rechte Auge geschlossen – als trüge er die Last eines Kampfes, den niemand gesehen hatte. So tauchte B12 auf, ein Amazonas-Papagei, den wir gut kennen an dem grünen Ring an seinem Bein, und war von einem Moment auf den nächsten zum Notfallpatienten geworden. Alejandro hob ihn behutsam auf und brachte ihn in einen kleinen Käfig mit frischem Wasser, Banane und geschnittener Papaya. Keine Samen – das war das Erste, was Carlos dem Team einschärfte, denn mit einem beeinträchtigten Auge durfte man kein Risiko eingehen. Die Digitalwaage zeigte 262 Gramm – eine kleine Zahl, die in solchen Fällen alles über den Zustand des Tieres sagt. Der Tierarzt war bereits informiert worden. Nun ruht B12 in seinem roten Käfig, die Augen geschlossen, die Früchte in Reichweite des Schnabels. Der Nachmittag senkte sich über das Santuario, ohne weitere Zwischenfälle, und das Team hält ihn im Auge, während es auf die Anweisungen des Vet wartet. Manchmal ist das die eigentliche Natur dieser Arbeit: rechtzeitig finden, das Richtige tun – und abwarten.
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Der Mamón de Mico, der sein Grün nie verliert

Alejandro kam mit einem Ast in der Hand ins Schutzgebiet und einer einzigen Gewissheit: Der Mamón de Mico ist immer grün. Der Baum, dessen wissenschaftlicher Name *Melicoccus bijugatus* lautet, steht noch aufrecht und lebendig irgendwo in den 520 Hektar der Fundación Loros und trägt seine kleinen gelben Früchte — selbst dann, wenn die Jahreszeit es eigentlich nicht verlangte. Doch der Ast, den Alejandro auf einem rustikalen Holzbrett fotografierte, erzählte zwischen seinen Zeilen eine andere Geschichte. Die runden Früchtchen und die glänzenden Blätter waren übersät mit dunklen Flecken — Zeichen, die auf eine Krankheit hindeuten könnten oder auf irgendeinen Schädling, der still und im Verborgenen sein Werk tut. Das fortgeschrittene Reifen der Früchte zusammen mit diesen Markierungen ist eine Warnung, die das Team sorgfältig im Protokoll festhielt. Vorerst hält der Baum stand und grünt weiter. Aber das Bild ist in das Feldbuch eingegangen als Erinnerung daran, dass man im Schutzgebiet nicht nur schauen muss, ob etwas lebt — sondern wie es lebt.
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Omars Topf und die zurückgewonnenen Nester

Im Bereich des Hauses von Paraíso, wo die Bäume Schatten spenden und künstliche Nistkästen auf gefiederte Mieter warten, waren die Bienen zuerst gekommen. Ganze Kolonien hatten sich in den Kästen eingenistet, die das Team der Fundación eigens für Papageien und Aras gebaut hatte — und eine Zeit lang schien es, als wären diese Nester für immer verloren. Es war Omar, der die Lösung im Einfachsten fand: ein alter Topf, Holzstücke und der Rauch, der aus ihnen aufsteigt. Die Technik besitzt eine handwerkliche Eleganz, die keiner langen Erklärung bedarf. Der Rauch betäubt die Bienen — er berauscht sie, sagt Omar — ohne ihnen zu schaden. In diesem Zustand unfreiwilliger Stille entfernt er die Waben. Ist die Wabe erst einmal verschwunden, kehren die Kolonien nicht zurück. Der Regen verwischt die Duftspuren, die sie zurückführen würden, und das Nest liegt frei. Alejandro, der den Bericht aus erster Hand erhielt, bestätigte, dass mehrere dieser Nester bereits zurückgewonnen wurden. Es ist das Wissen, das sich ohne Handbuch weitergibt: eine Hand, die spürt, wie viel Rauch genug ist, eine Geduld, die sich in keinem Buch erlernen lässt. Dank ihr stehen im Haus von Paraíso nun leere Kästen bereit — und warten auf das Flattern und den Lärm eines Papageis, der endlich seinen Platz findet.

El mamón de mico en la Y

In den Koordinaten, die Alberto aus der Reserva übermittelt hatte, bargen der rötliche Lehmboden und die kleinen Steine ein Geheimnis zwischen den Ästen: eine gelblich-grüne Frucht, kaum geöffnet, ihr weißes Fleisch schüchtern dem Licht entgegenstreckend. Es war ein cotoperi — auch bekannt als cotoprix oder mamón de mico —, ein Talisia sp., den wohl die wenigsten bemerkt hätten, wäre da nicht das geschulte Auge dessen gewesen, der an jenem Mittwoch diesen Weg entlangging. Es war kein Zufallsfund. Omar hatte bereits zuvor mehrere Individuen dieser selben Art in der Zone gemeldet, womit dieser Nachweis zur Bestätigung wird: Der cotoperi hat in diesem Winkel der Reserva eine feste Heimat gefunden. Alberto hielt ihn in der Hand — Ast, längliche Blätter und Frucht — und hielt diesen fast alltäglichen Moment im Bild fest. Ein Moment, der sich, zusammen mit den früheren Berichten, langsam in eine Karte verwandelt — die Karte einer Pflanze, die sich unter den 520 Hektar von Loros bereits zu Hause fühlt.
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Ein Baum allein am Fuß der Berge

Es gibt Bäume, die kein weiteres Argument brauchen als ihre bloße Gegenwart. Im Sektor pie de monte der Reserva blieb José Marín vor einem solchen Exemplar stehen: ein mächtiger Stamm mit graubrauner Rinde, Äste, die sich dem bewölkten Himmel öffnen mit der Großzügigkeit von jemandem, der das seit Jahrzehnten tut, dichtes grünes Blattwerk, das diesen Punkt in eine kleine, eigene Welt verwandelt. Ringsumher bedeckt Strauchvegetation fast den gesamten Boden, gedrängt und still, wie eine Hüterin von etwas, das wir noch nicht zu benennen wissen. An diesem Mittwoch gab es keine Fauna. Keine Menschen außer José selbst. Nur der Baum, die Koordinaten, eine Fotografie und die Gewissheit, dass dieser Ort es verdient, bekannt zu werden. Das Feldmonitoring der Fundación funktioniert manchmal genau so: Man kommt, um zu dokumentieren, und hält am Ende inne, ohne es gewollt zu haben, um einfach nur zu schauen.
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Der Eichhörnchenkuckuck im Laubwerk des Pie de Monte

José Marín durchquerte den Sektor Pie de Monte, als eine Bewegung im Blattwerk ihn innehalten ließ. Es war ein Eichhörnchenkuckuck — Piaya cayana —, der sich mit der ruhigen Selbstverständlichkeit bewegte, die nur jemand ausstrahlt, der genau weiß, wonach er sucht: Insekten, verborgen zwischen Ästen und niedrigem Gebüsch. Mit seinem langen rötlichen Schwanz und der zimtfarbenen Brust glitt der Vogel methodisch durch das Gestrüpp, ohne Eile, als gehörte ihm der Nachmittag. José gelang es noch, den Moment auf Video festzuhalten, bevor das Tier wieder im Dickicht verschwand. Der Eichhörnchenkuckuck ist eine häufige Art an Waldrändern und in den Buschlandschaften der kolumbianischen Karibikküste — und doch lohnt es sich immer, innezuhalten, wenn man ihn so erlebt: aktiv, auf der Jagd, ganz in seinem Element. Jede Beobachtung in der Reserva fügt dem lebendigen Porträt ein weiteres Detail hinzu, das wir allmählich zusammensetzen — ein Bild all dessen, was diese 520 Hektar zwischen dem Wald und dem Himmel von Cartagena bewohnt.

Die B87 kehrt immer nach Hause Paraíso zurück

Omar sah sie heute Nachmittag ankommen, ganz selbstverständlich, wie sie sich ruhig in der Nähe der casa Paraíso niederließ. Die B87 — eine Grünwangen-Ara, Ara severus, mit ihrer gut sichtbaren grünen Markierung im Gefieder — kam zurück von der Reserva La Ciénaga, in Santa Rosa de Lima, wo sie die Gewohnheit hat, andere Aras und Papageien zu besuchen, bevor sie in das Wäldchen der Fundación zurückkehrt. Dieses Hin und Her ist längst Teil ihrer Routine geworden. Was sie immer wieder zurückbringt, ist jedoch eine Geschichte voller Verlust. Als die B87 zuerst aus dem Aviario 2 freigelassen wurde, blieb ihr Partner drinnen. Die Verzweiflung trieb ihn dazu, durch die Drähte zu entkommen — und er schaffte es nicht. Die B87 war zur Witwe geworden, ohne es noch zu wissen. Eine Zeitlang zog sie dann gemeinsam mit der B90 durch dieses selbe Wäldchen, die beiden unzertrennlich, bis jede ihren eigenen Weg einschlug: Die B90 zog in Richtung des Hügels, und die B87 blieb. Und hier ist sie noch immer. Sie reist, erkundet, besucht — aber kehrt stets zurück in den Winkel, den sie einst mit ihrem Partner und mit der B90 bewohnt hat. Heute, um drei Uhr nachmittags, sah Omar sie ankommen und wusste, ohne Fernglas, dass sie es war.
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Die Estropajos kehren zur Posa zurück

Corina Leonor wanderte mit einer Gruppe von Touristen durch das Buschland, als jemand eine trockene, dunkle, federleichte Hülse vom Boden aufhob. Es war ein Estropajo — möglicherweise von *Leucaena* oder *Enterolobium* — aufgetaucht zwischen dem dichten Gestrüpp der Posa de los Borrachos, jenem Winkel des Schutzgebiets, der schon im Namen seine Geschichte trägt. Die Posa war einst ein Ort der Wäscherinnen. Die Frauen stiegen mit ihrer Wäsche hinunter, fanden das Wasser und — wer weiß — vielleicht auch diese faserigen Hülsen, die ihnen die Erde selbst zum Schrubben und Reinigen darbot. Heute laufen die Touristen denselben Weg entlang, ohne davon zu wissen, und plötzlich legt die Natur ihnen einen Gegenstand in die Hand, der sie mit jener alltäglichen Vergangenheit verbindet. Der Fund wurde fotografisch festgehalten: eine Hand, die die Hülse gegen den aprilblauen Himmel hält, mit weißen Wolken und grünem Bergwald im Hintergrund. Eine Kleinigkeit, fast ohne Belang. Doch in der Posa de los Borrachos haben selbst die Dinge, die vertrocknen und zu Boden fallen, ihre Geschichte.
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El mamón de mico blüht an der Y de Broche

Auf dem Weg, der von der Y de Broche hinauf zum cerro peligro führt, steht ein Baum, der nicht warnt: Er erscheint einfach, schwer beladen. Alejandro fand ihn so, ohne jede Umschweife, mit seinen Trauben aus gelbgoldenen Früchten, die sich dicht an die Äste drängten, manche bereits mit den braunen Flecken, die volle Reife verraten. Es ist der mamón de mico, und diese Aprilzeit gehört ihm. Die Früchte hängen in kompakten Trauben zwischen großen, glänzenden Blättern, und wer sie öffnet, findet innen ein cremig weißes Fruchtfleisch – zurückhaltend, aber süß. Auf den ersten Blick ist es kein spektakulärer Fund, doch im Santuario sind diese Fruktifikationen Kompasse: Sie zeigen an, was im Wald reif ist, welche Bereiche in den nächsten Tagen Tierbewegung erleben werden, was es wert ist, im Auge zu behalten. Alejandro dokumentierte es sorgfältig und öffnete eine der Früchte, um zu zeigen, was sich darin verbirgt. Der Baum steht noch dort, vollbeladen, an jenem Punkt, wo der Weg sich gabelt und der cerro peligro zwischen dem Blätterdach hervorlugt.
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Die Ceiba lässt ihren Schnee fallen, wo die Titis schlafen

Nahe dem Vorauswilderungskäfig, wo die Titis ihre letzten Ruhepausen einlegen, bevor sie in den Wald zurückkehren, beschloss eine Ceiba an diesem Dienstag, dass es Zeit war, das Gehütete loszulassen. Corina Leonor fand sie so vor — beladen mit weißem Flaum, bereit, sich in alle Winde zu zerstreuen — und schaffte es noch, sie zu filmen, bevor der Wind die ersten Samen davontrug. Es war eines jener Bilder, die das Feld verschenkt, ohne Vorwarnung: der Baum, geöffnet wie ein stilles Baumwollfeld, das Leben in alle Richtungen entlässt. Es hat etwas Besonderes, dass es ausgerechnet dieser Winkel der Reserva ist. Die Zone des Vorauswilderungskäfigs ist ein Ort des Übergangs, wo die Tiere nach und nach den Instinkt des Wilden zurückgewinnen. Die Ceiba, unberührt von all dem, vollzog ihren eigenen Zyklus mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie eh und je. Der Rest des Tages verlief ruhig, Besucher durchstreiften die Reserva, ohne dass es Besonderes zu berichten gab. Doch das Video dieser verschneiten Ceiba blieb als das Bild des Tages.

María José und der Durst der B87

Auf der Finca La Ciénaga, an einem Dienstag im April, begegnete María José — die Frau eines der Arbeiter — einer unerwarteten Besucherin: der Lora B87, allein, ruhig sitzend und mit einem Durst, den sie kaum verbergen konnte. Sie war weder Biologin noch Rangerin, doch etwas im Verhalten des Tieres genügte ihr, um zu verstehen, was es brauchte. Sie bot ihm Wasser an. Die Aufzeichnung erreichte die Fundación durch Luis von der Organisation Horses Cartagena, der das Video aus erster Hand erhalten und mit dem Team geteilt hatte. Nicht immer sind es die Experten, die die wertvollsten Entdeckungen machen: Manchmal ist es der aufmerksame Blick von jemandem, der in der Nähe des Waldes lebt, der seine Stille kennt und seine Zeichen zu lesen versteht. Die B87 zeigte sich diesmal allein — in keiner anderen Gesellschaft als der einer warmherzigen Frau auf einer Finca in der Karibik. Diese schlichte Begegnung — Wasser angeboten, Wasser angenommen — ist auch Teil der Karte, die wir nach und nach zeichnen: davon, wie sich unsere Individuen durch das Land bewegen.

Jender legt seinen Garten in Los Guardianes an

Über der tonigen, trockenen Erde des Sektors Los Guardianes gebeugt, öffnete Jender — Hüter dieses Winkels der Reserva — Loch für Loch, um die Setzlinge aufzunehmen, die an jenem Tag eintrafen: sapote, papaya, anón, limón und guama. Mit den Händen tief im Boden, ohne Hast, verpflanzte er jede Pflanze rund um sein eigenes Haus — wie jemand, der nicht nur ein Stück Land bewacht, sondern selbst darin Wurzeln schlägt. Der Boden von Los Guardianes ist hart und trocken, wie es sich für einen guten Tropenboden gehört, der die Dürre an der Oberfläche festhält. Und doch standen die Setzlinge dort, mit ihren grünen, glänzenden Blättern — manche noch feucht vom Transport —, und warteten darauf, dass die Erde sie annimmt. Wie viele es insgesamt waren, wurde nicht festgehalten — solche Dinge lassen sich manchmal besser mit der Zeit zählen, wenn sie längst Früchte tragen. Es liegt etwas Besonderes darin, Obstbäume rund ums eigene Haus zu pflanzen: Es ist eine Geste, die an die kommenden Jahre denkt, an die Schatten und die Früchte, die man selbst nicht immer heranwachsen sieht. Jender weiß das, auch wenn er es nicht ausspricht.
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Carlos y Alberto, die Früchte und der Kalender des Waldes

An jenem Montag im April zogen Carlos y Alberto mit leeren Körben ins Santuario hinaus und kehrten mit drei verschiedenen Aromen der Jahreszeit zurück: Mangos mit grün-gelber Schale, ciruelas costeñas — jene Spondias purpurea, die innerhalb weniger Tage vom wilden Grün ins leuchtende Rot wechselt — und Karambolen, die man hier torombolo oder fruta estrella nennt. Die Bäume trugen reichlich, die Äste bogen sich unter Früchten in allen Reifestadien zugleich, als könnte der Wald sich nicht entscheiden, ob er festhalten oder loslassen wollte. Die Ernte geht direkt in die Ernährung der Papageien der Fundación, doch in jenen Plastikkisten steckt mehr als bloßes Obst: Es steckt Information darin. Jedes Foto, das an diesem Tag aufgenommen wurde, ist ein phänologisches Datum, eine Notiz in dem unsichtbaren Kalender, den das Santuario über seine eigenen Bäume führt — wann sie blühen, wann sie tragen, wann es Fülle gibt und wann Mangel. Das zu wissen bedeutet letztlich zu wissen, wann die Papageien gut fressen.
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