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Weg in die Freiheit

Feldtagebuch der Fundación Loros


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Vier Papageien, ein gemeinsamer Tisch

Im Aviario 2 des Bereichs El Paraíso schaltete Alejandro die Kamera zur Fütterungszeit ein und entdeckte genau das, wonach das Team seit Wochen sucht: vier Papageien — Beethoven, der 12, der 19 und der B92 — die sich den Futternapf teilen, ohne Streit, ohne Spannungen, mit jener Gelassenheit, die nur unter denen entsteht, die einander bereits gut kennen. Beethoven, die Nummer 15, stand mittendrin, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Das ist keine Kleinigkeit. In der Fundación Loros ist die Dokumentation darüber, wer mit wem frisst, Teil jener feinen Beobachtungsarbeit, die einer Auswilderung vorausgeht: Die Affinitätsgruppen — jene Bindungen, die die Tiere ganz von selbst und in ihrem eigenen Tempo knüpfen — sind der Kompass, an dem sich das Team orientiert, wenn es entscheiden muss, wer gemeinsam in den Wald hinausfliegt. Beethoven und seine drei Gefährten haben soeben einen eindeutigen Hinweis hinterlassen.

Der Clavellino, der den Nachmittag in Vista Hermosa ankündigte

Es war Nilson, der es zuerst bemerkte. Dort, am Haupteingang des Sektors Vista Hermosa, war der Clavellino wie aus dem Nichts erwacht: ganze Äste bedeckt mit gelben Blüten, die um fünf Uhr nachmittags leuchteten, als trügen sie ihr eigenes Licht in sich. Der Baum — vermutlich eine Caesalpinia, mit ihrem feinen, gefiederten Laub und den langen Hülsen, die zwischen den Blättern hingen — hatte ohne Vorwarnung geblüht, so wie das Feld manchmal Geschenke bereithält, wenn man am wenigsten damit rechnet. Die Fotos vom 14. März erzählen mehr, als man auf den ersten Blick meint: Hinter dem Clavellino wartet ein in der Höhe angebrachter Holz-Nistkasten in stillem Schweigen auf seine künftigen Bewohner, und an der Wand zur rechten Seite zeigt ein Wandgemälde einen grünen Papagei zwischen tropischen Blättern. So wurde der Eingang zum Sektor in einem einzigen Bild festgehalten: Blüten, Zuflucht und die Erinnerung an die Vögel, die dieser Ort sich zurückwünscht. Dieses leuchtende Gelb gegen den blauen Himmel des karibischen Abends war das Bild des Tages in der Reserva. Manchmal genügt eine einzige blühende Pflanze, damit man innehält, schaut und sich daran erinnert, warum es sich lohnt, hier zu sein.
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Die Guayaba, die der Pionus wählte

Omar Enrique Berdugo Cabeza kam wie jeden Morgen ins Vogelhaus — mit dem ruhigen Schritt eines Mannes, der seine gefiederten Nachbarn gut kennt. Dort saßen sie bereits, die drei Blaukopfpapageien — B235, B117 und B118, alle mit ihrem grünen Etikett FL-VN — auf der Holzstange, als hätten sie seit Ewigkeiten auf ihn gewartet. Während sich einige planschend im Wasser erfrischten, fällte einer der Pionus sein Urteil ohne zu zögern: Von der ganzen Schale mit Guayaba, Papaya, Gurke, Orange und Paprika wählte er die Guayaba. Die anderen, bescheidener in ihren Vorlieben, zogen es vor, sich in der Kühle der Holzkästen vor der Mittagshitze zu verbergen. Etwas weiter, im dritten Aviario, hatten ein Paar Loros reales ihre eigenen Pläne. Sie teilten eine Papaya mit jener stillen Vertrautheit, die nur alte Paare kennen: ohne Eile, ohne Streit, Seite an Seite, als schmecke die Frucht in Gesellschaft einfach besser. Omar beobachtete sie einen Augenblick, bevor er seinen Aufgaben nachging — und in dieser Stille aus Maschendraht und Holz blieb, ohne weitere Zeugen, ein gewöhnlicher Nachmittag in der Reserva für immer eingraviert.
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Liebe in den bongas, Wärme in der Holzkiste

Am 14. März zog Omar Enrique Berdugo Cabeza los durch das Schutzgebiet und fand das Leben in Eile. Im Unterholz rund um die bonga-Bäume paarten sich rotbraune Wanzen — möglicherweise aus der Familie Rhopalidae oder Coreidae — auf Blättern, die von ihren eigenen Fraßspuren durchlöchert waren. Und als hätte der bonga alle herbeigerufen, taten es zwei porfus in seiner höchsten Krone ihm gleich: sie paarten sich ohne Hast, wiegend im Wind des späten Nachmittags. Weiter drinnen, in der Voliere, hatten drei loritos Zuflucht in einer Holzkiste gefunden, die Omar eigenhändig gezimmert hatte, um sie vor Kälte und grellem Sonnenlicht zu schützen. Da saßen sie zu dritt, still und behaglich, wie jemand, der genau weiß, wo er bleiben soll, wenn der Tag einen in die Zange nimmt. Am zweiten See hatte der Nachmittag noch etwas zu zeigen: Ein morocollo und eine polloneta zogen ihre Bahnen über den Wasserspiegel mit jener Ruhe, die Vögel nur ausstrahlen, wenn sie sich von niemandem gedrängt fühlen. Omar hielt sie im Tagebuch fest, schloss die Kladde und ließ das Schutzgebiet seinen eigenen Rhythmus weiterleben.
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Der schiefe Schnabel von B84 ist sein Erkennungszeichen

Die Tierärztin Alessandra nahm ihn behutsam in ihre behandschuhten Hände, wickelte ihn in ein Tuch und führte die Feile an den Schnabel heran. Der Papagei B84 — ein Perico mit leuchtend grünem Gefieder und goldgelben Reflexen am Kopf — war mit einer Deformität zum Eingriff erschienen, die das Team schon seit einiger Zeit beschäftigte: sein Schnabel, abgeblättert und missgeformt, zur Seite gebogen, als trüge der Vogel eine ewige Frage im Gesicht. Die Absicht war, ihn durch Feilen zu korrigieren, doch die Feile bestätigte, was man längst geahnt hatte: Die Fehlbildung hatte sich im Knochen verkalkt. Kein Blut. Nichts mehr zu tun. Was nach dem Versuch blieb, war die Gewissheit, dass der schiefe Schnabel keine Wunde mehr ist und kein Zustand, der sich korrigieren ließe — er ist einfach B84. Und B84, mit diesem Schnabel, den niemand je geradebiegen wird, frisst gut. Er verteidigt sich, greift zu, kaut. Die Fotografien des Tages dokumentieren das Vorher und Nachher des Eingriffs, aber vor allem dokumentieren sie einen Papagei, der einen Weg gefunden hat, mit dem zu leben, was er hat.
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Luceritos doppeltes Geschenk am Dreikönigstag

Am Nachmittag des sechsten Januar, als die Sonne bereits über den Weiden des Santuario sank, machte der Pfleger Nilson seine übliche Runde durch das Weidevieh und die trächtigen Kühe. Er rechnete nicht damit, etwas Außergewöhnliches zu finden. Doch da stand Lucerito, eine rotbraune Kuh, und zu ihren Füßen lagen nicht ein, sondern zwei neugeborene Kälber: erst kam eines, eine halbe Stunde später das andere. Ein Weibchen und ein Männchen — wie ein doppeltes Geschenk der Heiligen Drei Könige. Lucerito leckte sie ab mit jener alten Ruhe, die Mütter auf dem Land in sich tragen. Dennoch brauchten die beiden Kälber Hilfe beim Trinken, und Nilson zögerte keinen Moment: Er holte die Flasche, die sie für solche Fälle aufbewahren, und fütterte sie nacheinander — nachts, beleuchtet von nichts als einer Taschenlampe. Das Weibchen hatte sich bereits allein aufgerichtet; das Männchen noch nicht, aber es atmete gleichmäßig und nahm sein Fläschchen ohne Schwierigkeiten an. Eine Zwillingsgeburt in der Herde des Santuario ist kein alltägliches Ereignis. In jener Nacht, während die drei auf der Weide ruhten und die dunklen Hügel sich dahinter abzeichneten, beendete Nilson seine Runde in dem Wissen, dass dieser Tag es wert gewesen war.
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Die Aras empfangen den Abend am Punto de Liberación

Ada Yanci kam nicht mit der Absicht, etwas Außergewöhnliches festzuhalten. Sie kam, um Aras zu sehen – und genau das fand sie auch. Ihr Video, aufgenommen am Punto de Liberación, wo die Volieren von Ara in den Himmel ragen, fängt einen jener Momente ein, die das Schutzgebiet fast ohne Vorwarnung verschenkt: der Nachmittag, der sich über die Baumkronen senkt, und die Aras, die genau in dem Augenblick die Flügel heben, in dem sich die Besucher mit dem Futter nähern. Es gab kein ungewöhnliches Verhalten, keine Beobachtungen, die das Bekannte in Frage gestellt hätten. Es war eine alltägliche Szene, eine von jenen, die sich in der Abenddämmerung immer wieder in diesem Winkel der 520 Hektar großen Schutzanlage abspielen. Doch das Alltägliche trägt hier ein anderes Gewicht: Vögel, die lernen, zwischen Menschen zu fliegen – und Menschen, die lernen, stillzuhalten, während Schwingen dicht an ihnen vorbeistreichen. Manchmal braucht das Feldbuch keine außergewöhnlichen Daten. Es braucht das Zeugnis von jemandem, der wusste, wie man schaut.

Die Guacamayas, die ihr Refugium fanden

Omar Enrique Berdugo Cabeza war an jenem Nachmittag allein im Santuario, als er sie ankommen sah. Zwei Guacamayas mayas — jene vom Freilassungspunkt B126 und B31 — ließen sich zuerst auf einem Mamón nieder, auf diesen breiten, großzügigen Ästen, die sie so sehr lieben, bevor sie zu dem Refugio weiterzogen, das das Team eigens für sie errichtet hatte. Dort verweilten sie eine Weile, behaglich, mit jener Ruhe, die Papageien zeigen, wenn ein Ort ihnen bereits gehört. Sie waren nicht die Einzigen, die sich an diesem Tag blicken ließen. In der Nähe des Futterplatzes näherten sich zwei kleine Cotorritas, neugierig auf das, was es dort gab — ganz unbeeindruckt von Omars Anwesenheit, der alles auf Video festhielt, ohne sich zu rühren. Ringsum drängte sich die tropische Vegetation von allen Seiten: mächtige Bäume, Büsche, Platanensträucher, und inmitten dieses dichten Grüns die Überreste eines alten Basketballplatzes, den der Dschungel seit Jahren beharrlich und unaufhaltsam zurückfordert. Dieser halb vom Gestrüpp verschluckte Metallring erzählt mehr als jede Zahl davon, wie weit die Wiederherstellung des Lebensraums in diesem Teil der Reserva schon vorangeschritten ist.
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Jendels Marañones blühen und tragen Früchte zugleich

In einem stillen Winkel der Finca Los Guardianes, wo sich das tropische Grün dicht zusammendrängt und die Luft nach feuchter Erde und reifer Frucht duftet, geht Jendel zwischen seinen Bäumen umher wie jemand, der alte Freunde besucht. Zwei Marañones (*Anacardium occidentale*) erheben sich zu beiden Seiten des Pfades in großzügiger Fülle: Der erste trägt gleichzeitig seine zarten rosafarbenen Blüten und seine jungen, tiefgrünen Früchte — als weigere sich die Zeit an diesem Ort, zwischen einer Jahreszeit und der nächsten zu wählen. Der zweite Baum lässt seinen Reichtum von den Ästen bis fast zum Boden strömen — grüne Früchte, Früchte, die sich allmählich in jenes vielversprechende Rot verwandeln, das Süße ankündigt —, all das unter einem dunklen, üppigen Blätterdach, das Schatten und Geborgenheit spendet. Jendel pflegt diese Bäume schon seit langer Zeit, und sie wissen es. Im Santuario de la Fundación Loros ist dieser Winkel von Los Guardianes nur ein Vorgeschmack auf die Fruchtvorratskammer, die das Reservat in sich birgt: Farben, die vom frischesten Grün bis zum glühenden Rot reichen, Aromen, die geduldig auf denjenigen warten, der innehält und schaut. Hier hat jeder Ast etwas zu erzählen.
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Vier Pferde und ein Hund auf dem Weg zum Cerro

Bevor die Sonne richtig aufgeheizt hatte, ging Nilson auf die Weide von Vista Hermosa, um Indio, Sombra, den Pony und Corosito zu suchen. Einen nach dem anderen holte er sie aus dem hohen Gras, führte sie mit dem Halfter in den Koral, badete sie mit Wasser und Shampoo und sattelte sie in aller Ruhe. Als die vier schließlich bereit standen und im Morgenlicht glänzten, warteten bereits zwei Besucher in El Paraíso, dem Hauptsitz der Fundación Loros, voller Vorfreude darauf, die Reserve vom Pferderücken aus zu erkunden. Der Ausritt folgte den Erdpfaden, die hinauf zum Cerro El Peligro führen. Die Hügel tauchten nach und nach aus der dichten, grünen Vegetation auf, zu beiden Seiten belaubte Bäume und darüber ein Himmel voll weißer Wolken. Happy, der Hund der Fundación, wartete keine Einladung ab: Vom ersten Schritt an trabte er neben der Gruppe her, unbekümmert zwischen Hufen und Pferdebeinen, als hätte er dieses Handwerk schon seit Jahren in sich. Das eigentliche Ziel war der Freilassungsplatz für rehabilitierte Vögel — jener Ort hoch oben am Cerro, wo die Tiere ihren letzten Schritt machen, bevor sie auf eigene Faust wieder in den Wald zurückfinden. Die Besucher sahen es mit eigenen Augen: die weite, offene Landschaft, die Stille zwischen den Bäumen und die Gewissheit, dass dieser Cerro für viele Vögel der Beginn von etwas Neuem ist.
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Das Gespenstschrecke, das sich dem Ausritt anschloss

Corina Leonor brach gemeinsam mit einem Begleiter zu Pferd auf, um die Hügel des Santuarios zu erkunden – der Himmel lag schwer und bewölkt über der dichten Vegetation, und das Panorama öffnete sich in alle Richtungen bis an den Horizont. Es war jene Art von Nachmittag, den man im Gedächtnis trägt, ohne genau zu wissen, warum. Auf diesem Ritt erschien es dann, ohne jede Ankündigung: ein Insecto palo (Phasmatodea) in einem goldenen Gelbton, das sich seelenruhig auf dem dunklen Stoff eines der Reiter niederließ. Mit seinem hauchzarten, langgestreckten Körper, der einen trockenen Zweig nachahmte, schien das Tier so überzeugt von seiner Tarnung, dass ihm der Kontrast zum schwarzen Gewebe gleichgültig war. Corina dokumentierte es, bevor es im Blätterwerk verschwand. Insectos palo sind Meister der Unscheinbarkeit – Geschöpfe, die der Wald mitten im Offenen verbirgt. Dass sich dieses junge Exemplar ausgerechnet während eines Ausritts zeigen und fotografieren ließ, ist genau jene kleine Überraschung, die das Santuario an jene verschenkt, die mit offenen Augen durch die Welt reiten.
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Der Níspero, der alles teilt

Im Santuario wächst ein Baum, der nichts für sich behält. In diesen Märztagen trägt der Níspero mit seinem kräftigen Stamm und seiner großzügigen Krone reife Früchte — rund, von einem rötlichen Braun, das Süße verspricht — und Angélica Mármol Venegas fand ihn genau so: beladen und bereit. Der Níspero ist eine Frucht, die man in der kolumbianischen Karibik gut kennt. Er kommt in seinem eigenen Rhythmus, ohne Ankündigung, und wenn er erscheint, dann in Fülle. In der Fundación Loros ist dieser Moment zu einem gemeinsamen Ritual geworden: Die Früchte landen auf dem Tisch derer, die hier arbeiten, und auch in den Händen derer, die das Santuario besuchen — als hätte der Baum seit Jahrzehnten geübt, Gastfreundschaft zu schenken. Die Neuigkeit des heutigen Tages war nicht schwer zu finden. Sie hing einfach dort, zwischen den Ästen, in der Farbe von etwas, das bereit ist, empfangen zu werden.
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Happy voran, Aras am Cerro

An jenem Morgen brach die Führerin Corina mit zwei Touristinnen zum Cerro el Peligro auf – begleitet von der unverzichtbaren Happy, der goldfarbenen Mischlingshündin, die sich längst den inoffiziellen Titel der Reservats-Gastgeberin verdient hat. Happy tat, was Happy tut: Vom ersten Schritt an übernahm sie die Spitze des Zuges, als kenne sie ihren Auftrag besser als irgendjemand sonst, und führte die Gruppe so durch das Grün und die Hitze der Savanne von Cartagena. Es dauerte nicht lange, bis die Touristinnen ihr Herz an sie verloren. Die Fotos des Tages erzählen es ohne Worte: Happy, die Umarmungen entgegennimmt; Happy, die vom Buggy aus mit dem Ernst von jemandem, der Wichtiges zu erledigen hat, in die Ferne blickt. Es ist diese Art von spontaner Zuneigung, die sich in keinem Reiseprogramm vorausplanen lässt. Doch der Tag hielt noch eine weitere Überraschung bereit. Schon in der Nähe des Cerro tauchten über den Baumkronen die Guacamayas bandera auf – blau und gelb, unverwechselbar – die den Abschnitt mit jenem fröhlichen Lärm überflogen, der sie ankündigt, bevor man sie überhaupt zu Gesicht bekommt. Die genaue Zahl der Individuen ließ sich nicht feststellen, doch ihr Erscheinen in diesem Teil der Reserve ist nun festgehalten – und das genügt, um den Tag in Erinnerung zu behalten.
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Echos vom Feld

Rotes Eichhörnchen und Spuren des Gürteltiers

Am Morgen des 11. März brach José Marín früh auf, um die Reserve zu durchstreifen, und es war am Fuß des Gebirges, wo ihn eine Bewegung zwischen den Baumstämmen innehalten ließ: ein Eichhörnchen mit rötlichem, fast orangefarbenem Fell, das allein an der Rinde eines Baumes emporkletterte – mit jener stillen Behändigkeit, die diese Tiere an den Tag legen, wenn sie glauben, niemand beobachte sie. Er fotografierte es dort, fast im Holz und dem grünen Blätterwerk versunken, bevor es im Geäst der oberen Äste verschwand. Weiter vorne, am Ufer des arroyo Los Guardianes entlang, stieß José auf zwei in lockerem Erdreich gegrabene Höhlen, umgeben von freigelegten Wurzeln und abgefallenem Laub. Die runden, dunklen Eingänge – gerade groß genug – sprachen für sich: Baue eines Gürteltiers. Er dokumentierte sie mit Foto und genauen Koordinaten – zwei Punkte, kaum zwanzig Meter voneinander entfernt, als hätte das Tier sein eigenes, klar abgestecktes Revier entlang des Baches. Von dort setzte er den Weg am Hauptbach der Reserve fort und hielt in einem Video fest, was José längst auswendig kennt: dass die Reserve morgens mit allem erwacht. Vögel, die sich durchs Geäst bewegen, Schmetterlinge, die die Lichtungen durchqueren, das eine oder andere Säugetier, das sich für einen Augenblick zeigt, bevor es wieder im Dickicht verschwindet. Ein gewöhnlicher Tag in der Fundación Loros – der es draußen im Feld selten wirklich ist.
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Sombra bahnt den Weg durch das Laub

Am Donnerstag ritt Corina mit zwei Touristen auf den Erdpfaden der Reserve aus. Voraus ging Sombra, ein Pferd mit dunklem Fell und rosafarbenen Zügeln, das den Takt angab zwischen dem dichten Grün des Sanctuarys. Ein goldfarbener Hund begleitete sie den ganzen Weg — er hatte sich einfach dem Trupp angeschlossen, als hätte er nie dazugehört. Während der Ritt die Pfade entlangführte, nicht weit von dem Landweg, der die Reserve einfasst, waren Albertos Töchter emsig dabei, mit orangefarbenen Rechen das trockene Laub beiseite zu schieben und den Weg offen und begehbar zu halten. Alberto ist der Vorarbeiter des Sanctuarys, und an jenem Tag packten seine Töchter an, ohne dass man sie zweimal hätte bitten müssen. Es war ein gewöhnlicher Tag in der Reserve — einer jener Tage, an denen es nichts Außergewöhnliches zu berichten gibt, der aber jene stille Textur guter, ehrlicher Arbeit in sich trägt: die Führerin, die Besucher, das Pferd, der Hund, die Mädchen mit den Rechen und die rote Erde des Pfades unter einem Himmel, der nach Regen aussah.

Der Eingang von El Paraíso in voller Blüte

Am Eingang der Finca El Paraíso zog sich der Morgen sein Festgewand an, ohne jemanden davon in Kenntnis zu setzen. Die buganvilla explodierte schon früh in leuchtendem Magenta, und zwischen ihren Ästen kletterte der cundeamor lautlos empor und tupfte gelbe Akzente auf das, was ohnehin schon ein Fest war. Die Senna erstrahlte neben den Bananenstauden, die Corona de Cristo lugte aus ihrem Tontopf hervor, und die ixora blühte anmutig selbst aus einem zerbrochenen Gefäß heraus — denn in diesem Winkel der Fundación Loros findet das Leben immer seinen Weg. Die Schmetterlinge webten ihre Bahn von Blüte zu Blüte, trunken vor Nektar unter der karibischen Sonne. Die Ameisen marschierten mit ihrer unsichtbaren Last, auf der Suche nach der kühlen Erde, bevor die Hitze ihr letztes Wort gesprochen hätte. Und Happy, der goldene Hund der Finca, lag reglos auf dem Beton, mit diesem stillen, wissenden Blick, und betrachtete jene Landschaft, die nur wenige das Glück haben, ihr Zuhause nennen zu dürfen. Angélica Mármol Venegas war dabei, um es uns zu erzählen — mit ihrer Linse und ihrem weit geöffneten Herzen.
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Blaue Nasenlöcher und ein Brustbein, das Sorgen macht

Am Donnerstag, dem 12. März, ging die Tierärztin Alesandra mit ihrem Klemmbrett in der Hand durch alle Volieren der Fundación Loros, notierte Daten und begutachtete den Bestand mit der methodischen Ruhe einer Frau, die ihr Handwerk von Grund auf kennt. Zu den Aufgaben des Tages gehörte die erste Eingewöhnung von drei Vögeln, die ihre Quarantäne abgeschlossen hatten: ein Pionus, ein loro frentiamarilla und ein männlicher Wellensittich (*Melopsittacus undulatus*), der bis dahin in einem kleinen Käfig nahe dem Wohnhaus auf seinen Einsatz gewartet hatte. Dieser letzte kam in akzeptablem Zustand an — mit einem lebhaften Flug und einem grün-gelben Gefieder, das den Blick unwillkürlich auf sich zieht. Alesandra wies auf etwas hin, das der Erinnerung wert ist: Bei dieser Art nehmen die Nasenlöcher der erwachsenen Männchen ein sattes Blau an, ein Merkmal, das an diesem Individuum deutlich sichtbar war und als untrügliches Erkennungszeichen gilt. Bald wird er in die Voliere Decameron verlegt. Doch der Tag brachte auch eine Sorge mit sich. Eine Blau-Gelbe Ara — die B139, *Ara ararauna* — traf mit einem Körperzustand von gerade einmal 2 von 9 ein, und das so ausgeprägte Brustbein ließ keinen Zweifel an ihrer kritischen Verfassung. Alesandra begann mit einer Grundbehandlung und entnahm eine Blutprobe: Dr. Ana hatte zuvor bei den Vögeln des Bestands zwei verschiedene Hemoparasitenarten nachgewiesen, jede mit einem eigenen Behandlungsprotokoll — und solange nicht klar ist, mit welcher man es diesmal zu tun hat, bleibt die geeignete Therapie in der Schwebe. Alejandro genehmigte, die Probe sofort auszuwerten. Nun heißt es warten, was das Blut zu sagen hat.
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Im Empfangspavillon der Fundación Loros bereitete das Team in vertrauter Gemeinschaft die tägliche Futterration für die Vögel vor — ein routiniertes Schneiden und Sortieren, getragen von der stillen Freude gemeinsamer Arbeit. Etwas später, in der Voliere Nummer 2, fiel Betoven auf, ein Gelbkopfamazone (*Amazona oratrix*) mit der grünen Markierung Nummer 15, der zusammen mit einem Artgenossen ein auffälliges Sichelungsverhalten zeigte — ein Moment, der die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich zog. Auf dem weiteren Rundgang, an einem Kautschukbaum nahe den Anlagen, war ein Specht bei seiner rastlosen Arbeit zu beobachten: mit gezielten Hieben öffnete er die Rinde auf der Suche nach verborgener Nahrung — ein Verhalten, das so unverwechselbar zu dieser Vogelgattung gehört wie der Hall seiner Schläge durch den stillen Wald.
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Am Nachmittag des Berichtstages beobachtete Omar Enrique Berdugo Cabeza zwei freilebende Loros reales (*Amazona ochrocephala*) an den Koordinaten 10.4475033, -75.2620317 – Individuen, die zuvor von der Fundación Loros ausgewildert worden waren. Die Vögel wurden dabei erfasst, wie sie in den Wipfeln eines Baumes unter klarem Himmel Uvita-Früchte fraßen. Die Sichtung wurde mit zwei Videos und einer Fotografie des Fruchtbaums dokumentiert, auf dem sich die Tiere aufhielten.
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Blumen neben dem Käfig, auf Flügel wartend

Carlos Andrés Matas Contreras kam heute Morgen mit bereiter Kamera zum Freilassungspunkt und stieß auf eine farbenfrohe Überraschung: Die Buganvilia war genau am Rand des Metallgitters des Käfigs in rosarotem Magenta aufgebrochen, und zu ihren Füßen öffneten die wilden Petunien — Ruellia simplex — ihre violetten Blütenkelche, als hätten sie wochenlang diesen Willkommensgruß geprobt. Auf den Fotos, die er mitbrachte, erscheint der Freilassungskäfig eingerahmt von diesem Blütenfeuerwerk, mit den grünen Hügeln des Santuario im Hintergrund unter einem Himmel aus verstreuten weißen Wolken. Keine Papageien an jenem Tag, keine Flügelschläge, die es festzuhalten galt. Nur die stille Landschaft, der Zaun und die Blumen, die in ihrem eigenen Rhythmus gegen das Gitter wuchsen — und uns daran erinnerten, dass das Reservat lebendig bleibt, auch wenn niemand da ist, der loslässt oder empfängt.
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Siebzehn Blaue am Cerro El Peli

Am 9. März 2026 brachte Alberto die ersten 14 Blau-gelben Aras in die Vor-Auswilderungsvoliere am Cerro El Peli. Am nächsten Tag kehrte er mit drei weiteren zurück, und so fanden sich 17 Ara ararauna unter dem Metallgeflecht wieder, zwischen den Ästen der Bäume, die im Innern des Geheges wachsen – jenem Raum, der von Jerónimo Martins und dem Proyecto Ara gespendet wurde und in dem auch die Roten Aras ihr Zuhause haben. Die Holzstangen füllten sich mit türkis- und goldfarbenem Gefieder, und die Voliere, die von außen schon wirkt wie ein Stück Dschungel, hinter Maschendraht gegen den Himmel gespannt, erfüllte sich mit jenem lebendigen, ungezähmten Lärm, den nur Papageien erzeugen, wenn viele von ihnen beisammen sind. Derweil hatte auch das Treiben außerhalb der Voliere einiges zu bieten: 18 freie Ara ararauna streiften um den Auswilderungspunkt herum, dazu eine cheja, die sich dort bewegte, als wüsste sie, dass dieser Hügel ihr gehörte. Alberto trug die Zählung in seine Notizen ein, holte seine Fotos und schloss den Tagesbericht.
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Zwei Gallinetas am Ufer des Lago 2

An jenem Nachmittag spazierte Carlos Andrés Matas Contreras durch die Umgebung des Lago 2 auf der Finca El Paraíso, als er eine Bewegung zwischen dem feuchten Gras am Ufer bemerkte. Es war nicht eine, sondern zwei Gallinetas, die sich langsam vorwärtsbewegten, mit jener ihnen eigenen Ruhe, und dabei den Boden nach etwas Essbarem absuchten. Der stille See, das goldene Nachmittagslicht auf dem Wasser, und diese zwei Vögel — als wäre die Welt nichts weiter als dieser eine kleine Winkel. Carlos Andrés hatte den guten Instinkt, sein Handy herauszuholen und zu filmen. Im Video sieht man das, was er sah: die bedächtige, fast feierliche Bewegung der Gallinetas, während sie die Erde absuchten. Eine schlichte Aufnahme, wie man sie macht, ohne großes Aufhebens, und doch erzählt sie davon, dass das wilde Leben auf den Weiden von El Paraíso seinen Lauf nimmt.

Capuchino de campo, direkt von der Kuh

Bevor die Sonne vollends über die Bäume der Finca Los Guardianes gestiegen war, stand Nilson bereits im Gehege, die Hände am Euter. Die Milch floss warm und schaumig in den Metalleimer, während die fuchsia- und orangefarbenen Bougainvilleen entlang der Zäune noch die Kühle des frühen Morgens in sich trugen. Der Himmel öffnete sich in Orangetönen und Blau über den Weiden, und die Rinder ruhten still unter dem Dach des Stalls – unberührt von dem Morgenrot, das sie einrahmte. Angélica Cecilia Mármol Venegas nahm diese frisch gemolkene Milch, vereinte sie mit auf der Stelle gebrühtem Kaffee, und das Ergebnis war das, was sie selbst einen capuchino de campo nannte — direkt von der Kuh ins Glas, ohne Umwege und ohne Distanz. Ein langer Schluck, ein Daumen nach oben, und der Tag nahm seinen Lauf. Das ist der Alltag im Santuario de la Fundación Loros: Naturschutzarbeit, die Seite an Seite besteht mit dem Melken um fünf Uhr morgens, mit den Wildblumen, die niemand neben dem Gehege gepflanzt hat, mit dem Feldweg, der sich langsam im Grün verliert, während das Land in aller Stille erwacht.
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Sechs Titis zwischen den Ästen des Lago 2

Um 9:15 Uhr morgens ging Carlos Andrés Matas Contreras am Ufer des Lago 2 in der Finca El Paraíso entlang, als eine Bewegung in den Baumkronen ihn abrupt innehalten ließ: Sechs Titi-Äffchen bewegten sich zwischen den Ästen, kletterten ohne Eile und machten immer wieder halt, um Früchte zu fressen. Die Titis — jene kleinen Primaten mit dem langen Schwanz und dem lebhaften Blick, die in den Feuchtwäldern der kolumbianischen Karibik zu Hause sind — sind Sichtungen, über die wir uns jedes Mal aufs Neue freuen, und Carlos Andrés hatte die Geistesgegenwart, sie auf Video festzuhalten, bevor sie im Blattwerk verschwanden. Doch der See hatte an jenem Morgen noch mehr zu erzählen. Ohne sich zu zeigen, sprach der Dschungel: Coronas, ein Ave Cola de Ardilla, Chachalacas und eine Oropéndola ließen ihre Stimmen in der Luft hängen. Carlos Andrés lauschte aufmerksam und notierte sie alle. Manchmal erschließt sich das Feld ebenso sehr durch das Gehör wie durch das Auge — und eine solche Klangaufzeichnung ist so wertvoll wie jede Fotografie.

Achtzehn Blaue und eine Cheja am Mittag

Heute Morgen machte Alberto seinen gewohnten Rundgang durch die Anlagen der Fundación Loros: zuerst der Freilassungsbereich, dann die Volieren. Die Sonne brannte bereits stark auf die grünen Hügel herab, als die Gelbbrustaragas — achtzehn an der Zahl — einer nach dem anderen auftauchten. Einige kamen aus den nahen Bäumen herangeflogen, mit diesem intensiven Blau, das unter dem klaren Karibikwimmel ganz anders leuchtet als anderswo. Eine Cheja vervollständigte die Gruppe, bescheiden inmitten all dieser Farbenpracht. Am Freilassungsbereich ließen sich die Ara ararauna auf der Holzkonstruktion mit ihren erhöhten Plattformen nieder, wo bereits Metallschalen mit gewürfelter Papaya und Wassermelone auf sie warteten. Dasselbe Obst wurde auch in die Volieren gebracht, wo andere Exemplare an den Gitterwänden entlangkletterten oder auf Sitzstangen aus trockenen Ästen ruhten, während im Hintergrund rosafarbene Buganvilias hervorlugen — als wären sie eigens als Kulisse gepflanzt worden. Die Schalen leerten sich schnell.
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Von den Milchkannen zum Vogelflug

Noch bevor die Sonne die Weiden von Los Guardianes und Vista Hermosa richtig erwärmt hatte, hatten Jendel und Eder bereits die Hände an den Eutern. Das Brahman-Vieh, diese großen, geduldigen Tiere, ließ die Kälber heran, während die Arbeiter die weißen Eimer füllten und die Milch dann in hellen, kräftigen Strahlen in die Aluminiumkannen lossen. Ringsum der dunkle, feuchte Boden der Pferche, fuchsiafarbene Blüten, die aus der Vegetation lugten, und das dumpfe Rauschen des frühmorgendlichen Landes. Etwas weiter schleppte Nilson frisch geschnittene Büschel von Popocho bis zum Pick-up — diese grüne, schwere Last, die nach frischer Erde riecht. Und im schlichten Hühnerstall, zwischen braunen und grauen Hennen, die es sich in ihren Nestern aus altem Holz bequem gemacht hatten, wurden die Eier des Tages eingesammelt — dieselben Eier, die Angélica, lächelnd mit ihrem blauen Tablett, direkt in die Hände derer bringen würde, die sie kaufen wollten, ohne Zwischenhändler und ohne Fabriketiketten. Milch, Käse, handgemachte Molke, Popocho, Eier: Alles, was diese beiden Fincas hervorbringen, geht geradewegs auf den Markt, und was in Pesos zurückfließt, trägt die Vogelschutzprojekte der Fundación Loros. Eine schlichte Kette, ohne Umwege, die den Pferch mit dem Flug der Guacamayas verbindet.
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Auf den Fincas Los Guardianes und Vista Hermosa der Fundación Loros verrichten die Arbeiter Jendel und Eder täglich ihre Arbeit beim manuellen Melken des Viehs, während Nilson sich um die Ernte von Popocho und das Einsammeln der Eier von Gallinas criollas kümmert. Die daraus gewonnenen Produkte — frische Milch, Käse, handgemachte Molke, Popocho und Eier — werden von Angélica direkt an die Kundschaft verkauft, ganz ohne industrielle Verarbeitung oder chemische Zusätze. Der gesamte landwirtschaftliche Ertrag dient einem einzigen Ziel: die Vogelschutzprojekte der Fundación Loros zu finanzieren.

Vier Arten, ein einziger Punkt in El Paraíso

Es gibt Morgen, an denen die Finca El Paraíso sich großzügig zeigt, ohne Vorwarnung. Carlos Andrés Matas Contreras spazierte in der Nähe des Kiosks, als er auf etwas stieß, das man nicht alle Tage zu sehen bekommt: eine ararauna in ihrem elektrischen Blau und eine guacamaya cheja, beide auf demselben Ast niedergelassen, begleitet von einem Tukan und einem Eichhörnchen, das das Bild vervollständigte — als hätte keines von ihnen auch nur die geringste Eile, irgendwo anders hinzuwollen. Vier verschiedene Arten, ein einziger Ort, zur selben Zeit. Carlos zögerte keinen Moment: Er holte sein Handy heraus und nahm zwei Videos auf, die inzwischen Teil des offiziellen Registers der Fundación Loros sind. Es gibt keinen besseren Beweis als diesen — das stille Bild eines Winkels der Reserve, der genau das ist, was er sein sollte.

Regen zur falschen Zeit in Los Guardianes

In den ersten Märztagen hob Eder — Mitglied des Viehwirtschaftsteams der Fundación Loros — seine Kamera im Sektor Los Guardianes und filmte etwas, das dort eigentlich nichts zu suchen hatte: Regen. Es war nicht das erste Mal. Seit Februar empfängt das Schutzgebiet Niederschläge in Monaten, die üblicherweise trocken verlaufen — ohne jenes Rauschen des Wassers über dem Kronendach, ohne jenen Geruch feuchter Erde, der der Reserve einen ganz anderen Charakter verleiht. Eder beschrieb es als eine Seltenheit, und dieses schlichte Wort trägt ein echtes Gewicht. Der klimatische Kalender, den das Team auswendig kennt — die Trockenmonate, die Regenmonate, die Übergangsphasen — scheint aus dem Takt geraten zu sein. Was er auf Video festhielt, ist mehr als nur fallendes Wasser: Es ist ein Zeichen dafür, dass die Regenzeit in diesem Jahr früher beginnen und länger andauern könnte als gewohnt. Vorerst bewahrt Los Guardianes die Feuchtigkeit jenes Märznachmittags. Eders Aufnahme bleibt im Feldbuch als das, was sie ist: ein kleines Detail, das mit der Zeit bedeutsam werden könnte.

Der Loro 31 und sein erwachender Wald

Zwischen den Volieren #3 und #4 der Fundación Loros gibt es einen Winkel, der noch nach frisch aufgewühlter Erde und jungen Blättern riecht: das Bosquecito, so hat ihn Alejandro getauft, der argentinische Gründer, der eines Tages in dieses karibische Land kam mit dem Gedanken, den Vögeln so etwas wie ein Zuhause zurückzugeben. Der Wald lernt noch, einer zu sein — und hat doch schon einen festen Bewohner: den Loro 31, einen Amazona von leuchtendem Grün, mit rötlichen Flecken an den Flügeln und einem gelben Schimmer am Kopf, der ihn schon aus der Ferne verrät. Um den Hals trägt er sein nummeriertes Schild, klein wie eine hart errungene Medaille. Omar Enrique Berdugo Cabeza weiß das gut, denn der 31 begleitet ihn bei jeder Fütterungsrunde durch diesen Bereich. Es geht dem Loro nicht einfach ums Fressen — er taucht auf, lässt sich in der Nähe nieder, beobachtet. Als wären Omars Streifzüge auch seine eigenen. Alejandro hat sich diesen Abschnitt mit Kunstnestern für Loros und Guacamayas vorgestellt, ein Vorhaben, das durch Beobachtungen und schrittweise Freilassungen Gestalt annimmt — in der Hoffnung, dass die Vögel von selbst den Weg in ein beständiges Wildleben finden. Der Loro 31, mit seinem Schild am Hals und seiner Gewohnheit, frei zwischen den jungen Bäumen umherzustreifen, ist heute der lebendigste Beweis dafür, dass dieser Weg wirklich existiert.
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Sombrerito und seine Gefährten an der Papaya

An jenem Nachmittag verwandelten vier Vögel die Krone des Papayabaums der Fundación Loros in ein Speiselokal unter freiem Himmel. Da war Sombrerito — loro amazona amazona, Medaille B12 —, treu seinen Vorlieben: Banane und Papaya, immer Papaya. Bei ihm sein Gefährte B11, beide erkennbar im Blattwerk am metallischen Aufblitzen ihrer Medaillen. Etwas weiter oben vervollständigte ein Pärchen loro real die Runde. Deren Medaillen konnte Omar nicht entziffern, aber er kennt die beiden gut: Sie haben ihr Nest in einer Eiche im Park der Fundación und kommen von Zeit zu Zeit hierher herunter, wenn der Baum sie ruft. Die Papaya der Fundación trägt das ganze Jahr, ohne Pause, und die Vögel wissen das. Sie begnügen sich nicht mit dem orangefarbenen, süßen Fruchtfleisch: Sie sind auch hinter den kleinen schwarzen Samen her, die sich im Inneren verbergen — denselben, die als natürliches Entwurmungsmittel wirken. Eine stille Apotheke, im Fruchtfleisch vergraben, die die Loros ganz von selbst entdeckt haben. Omar beobachtete sie schweigend von unten, während die Schnäbel das Fruchtfleisch mit jener gelassenen Präzision öffneten, die Loros eigen ist, wenn sie ohne Eile fressen.
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