Der Limoncillo, an dessen Pflanzung sich niemand erinnert
Michel Salas streifte durch das Schutzgebiet, als er ihn entdeckte: einen Zitronenbaum (*Citrus × aurantiifolia*), den irgendwann, an einem Tag, den niemand mehr benennen kann, jemand in die Erde gesetzt hatte. Er steht an den Koordinaten 10.4475, -75.2618, inmitten des Geländes des Santuario de la Fundación Loros, umgeben von üppiger tropischer Vegetation und rosafarbenen und roten Buganvilias, die sich aus dem Hintergrund hervorwagen, als hätten sie dem blauen Himmel dieses Märznachmittags etwas zu sagen.
Kein Pflanzdatum. Kein Name dessen, der ihn hierher brachte. Nur der Baum — still und verwurzelt, seine glänzenden Blätter das Nachmittagslicht durchsiebend, gleichgültig gegenüber dem Geheimnis seiner eigenen Herkunft. Es liegt etwas Rührendes darin: dass jemand, irgendwann, beschlossen hat, einen Limoncillo in diesen stillen Winkel des Schutzgebietes zu pflanzen — und dass der Baum weiterwuchs, ohne dass ihn jemand dafür im Gedächtnis behalten musste.
Hiermit ist er verzeichnet. Wer weiß, wer ihn gepflanzt hat und wann, dem steht in diesem Logbuch Platz für jene Geschichte offen.