Die Bienen, die Samen mit Blüten verwechselten
Im Sektor des pie de monte blieb José Marín vor etwas stehen, das auf den ersten Blick wie eine Blüte wirkte: eine weiße, seidig schimmernde Masse, leuchtend inmitten des Grüns. Doch es war keine Blüte. Es war eine Gruppe von Samen, flugbereit, mit jenen watteartigen Fäden, die Pflanzen der Familie Apocynaceae — wie Michel Salas und Jorge Alcalá später bestätigten — nutzen, um sich dem Wind zu übergeben. Eine uralte Strategie, elegant und lautlos.
Das Merkwürdige war, was danach geschah: die Bienen. Sie näherten sich diesem schwammigen Gebilde mit derselben Entschlossenheit, mit der sie eine Blütenkrone in voller Pracht besuchen. Es war José, der das Detail bemerkte und es sogleich klärte: Das ist keine Blüte, das sind Samen. Doch die Bienen schienen den Unterschied nicht zu erkennen — oder es kümmerte sie schlichtweg nicht. Dieses Missverständnis zwischen Insekt und Pflanze wurde im Feld in Foto und Video festgehalten, mit schwachem Empfang, aber mit wachem Blick.
Man muss nicht immer den Namen von etwas kennen, um zu spüren, dass es der Aufmerksamkeit würdig ist. Diesmal versteckte sich das Außergewöhnliche genau dort, im pie de monte, und wartete darauf, dass jemand innehält und hinschaut.