Maicols roter Brustfleck im Wald
Maicol hatte nicht vor, an diesem Tag Geschichte zu schreiben. Er streifte mit seiner Kamera durch den Wald, als irgendetwas seinen Blick festhielt: ein pico gordo degollado (*Pheucticus ludovicianus*), der ruhig auf einem dünnen Ast saß, als hätte er den ganzen Morgen darauf gewartet, dass jemand ihn entdeckt. Kopf und Rücken in tiefem Kohlschwarz, ein leuchtend roter Fleck auf der Brust und die Flügel von weißen Bändern durchzogen — das adulte Männchen in seiner ganzen Pracht, fast unsichtbar im dichten Grün des Blätterdachs, wäre da nicht diese Farbe, die sich jeder Verhüllung widersetzt.
Das Foto erreichte den Chronisten am nächsten Tag, geschickt von der Poza de los Borrachos, mit wenigen Worten — doch das Bild sprach für sich. Der genaue Abschnitt innerhalb des Schutzgebiets blieb unbestätigt, aber der Nachweis ist eindeutig: Diese Zugvogelart, die Tausende von Kilometern zwischen Nordamerika und der Karibik zurücklegt, fand für einen flüchtigen Moment in der Fundación Loros einen Ast, um zu rasten und sich blicken zu lassen.