Das Gespenstschrecke, das sich dem Ausritt anschloss
Corina Leonor brach gemeinsam mit einem Begleiter zu Pferd auf, um die Hügel des Santuarios zu erkunden – der Himmel lag schwer und bewölkt über der dichten Vegetation, und das Panorama öffnete sich in alle Richtungen bis an den Horizont. Es war jene Art von Nachmittag, den man im Gedächtnis trägt, ohne genau zu wissen, warum.
Auf diesem Ritt erschien es dann, ohne jede Ankündigung: ein Insecto palo (Phasmatodea) in einem goldenen Gelbton, das sich seelenruhig auf dem dunklen Stoff eines der Reiter niederließ. Mit seinem hauchzarten, langgestreckten Körper, der einen trockenen Zweig nachahmte, schien das Tier so überzeugt von seiner Tarnung, dass ihm der Kontrast zum schwarzen Gewebe gleichgültig war. Corina dokumentierte es, bevor es im Blätterwerk verschwand.
Insectos palo sind Meister der Unscheinbarkeit – Geschöpfe, die der Wald mitten im Offenen verbirgt. Dass sich dieses junge Exemplar ausgerechnet während eines Ausritts zeigen und fotografieren ließ, ist genau jene kleine Überraschung, die das Santuario an jene verschenkt, die mit offenen Augen durch die Welt reiten.